Responsive image
Igor Strawinski

Petruschka, Feuervogel-Suite, Psalmensinfonie

London Philharmonic Orchestra, Ernest Ansermet

Dutton/Helikon CDBP 9700
(78 Min., 2/1946, 12/1946, 10/1947) 1 CD

Dies sind wertvolle Dokumente einer herzlichen Freundschaft und fruchtbaren Zusammenarbeit. Ernest Ansermet war einer der kompetentesten und verlässlichsten Vermittler der Musik seines Freundes Strawinski. Für die Londoner Philharmoniker zählten die Werke kurz nach dem Zweiten Weltkrieg bestimmt noch nicht zum Standardrepertoire, doch Ansermet inspiriert die Musiker zu Höchstleistungen, zudem gelingt es ihm, jedes Detail der rhythmisch diffizilen Partituren wie auch der leuchtkräftigen Instrumentation lebendig werden zu lassen.
Die Transparenz seiner Deutungen wird auch durch das naturgemäß leicht dumpfe Klangbild, das von Bandrauschen fast völlig befreit wurde, nicht beeinträchtigt. Lediglich die Integration von Chor und Orchester in der Psalmensinfonie bereitete 1947 noch leichte Schwierigkeiten.
Ansermets Interpretationen bestechen, neben ihrer Authentizität, vor allem durch ihre Unbestechlichkeit. Werke wie "Petruschka" oder der Tanz des Königs Katschei im "Feuervogel" könnten dazu verführen, die Zügel schießen zu lassen und ein Feuerwerk abzubrennen - wie es oberflächlichere Interpreten gerne tun. Bei Ansermet jedoch steht die Architektur sowie in "Petruschka" die behutsame Charakterisierung der handelnden Figuren im Vordergrund. Die Theaterluft, die etwa Pierre Monteux (RCA) in diesem Werk Gestalt werden lassen konnte, sucht man vergeblich.
Ansermets klassische Ausgewogenheit kommt einer Komposition wie der Psalmensinfonie, die er 1930 auch aus der Taufe hob, besonders entgegen. Später nahm Ansermet all diese Werke für Decca noch einmal in Stereo auf, doch diese Einspielungen sind nur teilweise erhältlich, und die vorliegende CD vermittelt seine Autorität auf diesem Gebiet in mustergültiger Weise.

Thomas Schulz, 07.12.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top