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N° 1230
04. - 10.12.2021

nächste Aktualisierung
am 11.12.2021



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Igor Strawinski

Le sacre du printemps (Klavierfassung)

Fazil Say

Teldec/Warner Classics 6 8573-81041-2 3
(31 Min., 2/1999) 1 CD

"Vierhändige Klavierfassung" heißt es auf dem Cover dieser CD, und mein erster Gedanke war: Warum spielt Say beide Parts? Hat er Angst, ein Partner könnte ihm die Schau stehlen? Bei Einspielungen der Art "Künstler X spielt mit sich selbst" fehlt, so brillant sie im Einzelnen sein mögen, stets das wichtige Moment des Dialogisierens, eine gewisse Eindimensionalität ist die Folge.
Es zeigt sich jedoch, dass derartige Argumente auf Says Einspielung nur sehr bedingt anwendbar sind. Was hier geboten wird, ist nicht einfach die von Strawinski erstellte vierhändige "Sacre"-Version. Fazil Say hat viele Einzelheiten der Partitur, die von vier Händen allein nicht gespielt werden können, der Klavierfassung hinzugefügt. In mehreren Aufnahmesitzungen wurden sämtliche Details zusammengefügt - mit dem Ergebnis, dass es nicht nur vierhändige, sondern sechs-, acht-, ja zehnhändige Passagen in Says Klavier-"Sacre" gibt. Das Ergebnis vermag durchaus zu imponieren und erinnert gelegentlich an Conlon Nancarrows irrwitzige Pianola-Studien. Zusätzlich zu diesen Ergänzungen nimmt Say auch koloristische Annäherungsversuche an die Partitur vor, benutzt den Effekt des präparierten Klaviers und dämpft einzelne Saiten mit der Hand im Klavier-Inneren.
Mit Strawinkis eigener Klavier-Reduktion des "Sacre" hat das nicht mehr allzu viel zu tun; ein passender Titel für die CD wäre "Fazil Says Sacre-Projekt". Es wäre auch zu fragen, ob denn eine Klavierfassung, die sich in möglichst vielen Details am Orchester-Original zu orientieren versucht, nicht Gefahr läuft, ihre Eigenständigkeit zu verlieren. Andererseits wird in diesem interessanten Experiment durchaus deutlich, wie intensiv sich Say mit Strawinkis Partitur auseinandergesetzt hat und er sich mit diesem Werk identifiziert - das vernehmliche Mitsummen hätte er sich allerdings sparen sollen.
Für die magere Spieldauer entschädigen der niedrige Kaufpreis sowie - es handelt sich um eine "enhanced CD" - ein kurzes Video des Pianisten. Auf einem Mac klappt das Abspielen dieses Videos wesentlich besser als auf einem Windows-PC!

Thomas Schulz, 21.09.2000



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