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Peteris Vasks

Sinfonie Nr. 2, Violinkonzert ‚Tala gaisma‘ (Distant Light)

Philharmonisches Orchester von Tampere, John Storgårds, Ostrobothnian Chamber Orchestra, Juha Kangas

Ondine/Note 1, ODE 1005-2
(73 Min., 5/2002, 4/2002) 1 CD

Wie schön wäre es doch, gäbe es auch in der sinfonischen Musik Kategorien wie Thriller, Fantasy-Roman oder Krimi! Von den besseren Produkten dieser Alltagskunst (und die gibt es!) kann sich auch der bebrillte Literaturfreund mitreißen lassen - und das, ohne sich den Genuss durch den Vergleich mit den Klassikern der Weltliteratur zu verderben.
Wie dem auch sei: Wäre die zweite Sinfonie des Letten Peteris Vasks ein Fantasy-Roman, könnte ich sie leichteren Herzens empfehlen. Das Werk ist mit erwiderter Liebe zum sinfonischen Sound komponiert; es erzeugt und hält seine immerhin vierzigminütige Spannung mittels klug dosierter Schlagzeugeffekte, die mit wehmütigen Holzbläsersoli über mystisch flirrenden Streicherflächen kontrastieren. Nur die zahlreichen groß angelegten Steigerungen könnten auf Dauer etwas arg trivial wirken - wäre da nicht John Storgårds: Der lädt das schlichte bis einfältige Material (archaische, kirchentonale Melodiefloskeln, die sich bedeutungsschwer nach oben schrauben) mit einer so eigenen, ernsthaften und melancholischen Intensität auf, dass ich dem Interpreten noch lange blind folge, wo ich dem Komponisten schon nicht mehr glauben möchte. Weniger gelungen ist das Violinkonzert, obwohl sich Storgårds als Solist nicht weniger eindringlich für Vasks einsetzt denn als Dirigent. Doch um ein Gegengewicht zum nostalgischen Schwelgen in meditativ-sehnsüchtigen Linien zu schaffen, fiel dem Komponisten nur eine unverbundene Folge orchestraler Gimmicks ein - zu wenig für ein echtes Drama und auch für die entspannende After-Work-CD etwas dürftig.

Carsten Niemann, 07.06.2003



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