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Ludwig van Beethoven

Klavierkonzerte Nr. 2 und 3

Martha Argerich, Mahler Chamber Orchestra, Claudio Abbado

DG/Universal 477 5026
(64 Min., 2/2000, 2/2004) 1 CD

"Auf wen ist Frau Argerich denn so wütend?", mag man sich im Augenblick ihres ersten Einsatzes im Klavierkonzert Nr. 2 von Beethoven fragen. Energiegeladen hämmert sie die Oktaven in das Instrument. Die Kontrastierungen, die die Pianistin in den zwei Klavier­konzerten auffährt, reichen manchmal bis zur Schroffheit. Dann wieder wird es vergleichsweise lieblich, fast zärtlich, das Largo macht seinem Namen alle Ehre, und zwischen den Extremen findet sich der Hörer neu in das Altbekannte hinein. Man mag solche Kritikpunkte aus alter Hörgewohnheit heraus formulieren, dennoch steht eines fest: Diese Aufnahmen sind ungeheuer energiegeladen und mitreißend.
Zwei Live-Mitschnitte, aufgenommen im Abstand von immerhin vier Jahren am selben Ort, dem Teatro Comunale in Ferrara, sind hier zu einer bemerkenswerten CD aus einem Guss vereint. Das 3. Klavierkonzert ist für Argerich sogar eine Ersteinspielung. Manchmal geht ihre Impulsivität so weit, dass sie dem Orchester fast ins Wort fällt oder davonzustürmen droht - nein, sie macht es nicht wirklich, aber manchmal hat man den Eindruck, sie täte dies am liebsten. Es mag das oft beschworene Live-Gefühl sein, was der Musik dieses Plus an Lebendigkeit gibt, und Argerich spielt mit vollem Risiko, auch mal einen Ton nicht zu treffen. Claudio Abbado und das mit vielen jungen Musikern besetzte Mahler Chamber Orchestra bieten in den Klavierkonzerten Nr. 2 und 3 einen fein gezeichneten, hin und wieder kammermusikalischen, dann aber auch kräftig zupackenden Orchesterklang. Dirigent und Solistin kennen sich seit vielen Jahren, und Argerich und Abbado machten einst auch ihre erste gemeinsame Aufnahme für das gelbe Label: Das war 1967. Begegnet waren sie sich aber schon vor 50 Jahren, als Schüler von Friedrich Gulda.

Matthias Reisner, 22.12.2004



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