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John Tavener, Henry VIII, Benjamin Britten, Peter Maxwell Davies, Traditional u.a.

Keltische und britische Lieder und Carols

Anonymous 4, Andrew Lawrence-King

harmonia mund/helikon, HMU 907325
(66 Min., 5/2003) 1 CD

Gesetzt den Fall, Sie seien gerade auf der Suche nach einem Motiv für ein gutes Tattoo, dann werden Ihnen die verschlungenen keltischen Motive im Beiheft dieser CD womöglich gute Anregungen liefern. Im Ernst! Keltisches macht sich derzeit gut in Mode und Musik, denn es bringt uns das Wilde, Exotische, Heidnische, das wir bisher außerhalb Europas suchten, als unsere eigene Tradition nahe. Warum nicht auch auf dem Weihnachtsmarkt, müssen sich Anonymous 4 gedacht haben und tauften ihr gemischtes Weihnachtsprogramm aus traditionellen britischen Liedern sowie neuen Kompositionen auf den schönen altheidnischen Namen "Wolcum yule". Abgesehen von Andrew Lawrence-Kings irischer Harfe hört man von keltischem Geist, der hinter dem christlich umgedeuteten Fest der Wintersonnenwende lauert, nur sehr wenig. Das Ausdrucksspektrum der vier Frauen reicht von aseptischer Reinheit bei den einstimmigen Gesängen bis hin zu seraphischer Makellosigkeit bei den komplexeren mehrstimmigen Stücken. So überirdisch ihr Ton aber auch klingen mag, der wie mit vier Stimmen aus einem Körper strömt: die zahlreichen schlichten Volksballaden und vielstrophigen Beschwörungen des Weihnachtswunders wirken in ihrer Entrücktheit auf die Dauer ermüdend. Sie verraten nichts von Angst und Aberglaube des Vormittelalters und sie können es auch nicht mit der knarzenden Inbrunst und Eindringlichkeit aufnehmen, mit der man vor Jahren in entlegenen Dörfern noch den einen oder anderen zahnlosen Alten die gleichen guten Botschaften singend verkünden hörte.

Carsten Niemann, 06.12.2003



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