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Giuseppe Tartini

Suonate a violino e violoncello o cimbalo (op. 1 und 2)

Enrico Gatti, Gaetano Nasillo, Guido Morini

Arcana/helikon harmonia mundi A 420
(130 Min., 9/2000, 5/2001)

Ein schönes und ehrgeiziges Motto, das sich der Geiger Enrico Gatti für diese engagierte Einspielung von Giuseppe Tartinis Violinsonaten hat einfallen lassen. Zu Unrecht sei der komponierende Violinvirtuose Tartini, an die Peripherie unseres zeitgenössischen Musikgeschehens gerückt - ganz im Gegensatz zu seinem Vorbild Corelli und seinem Zeitgenossen Vivaldi. Den "wahrhaftigen Künstler" dürfe diese unverschuldete Randständigkeit jedoch nicht anfechten. Seine Aufgabe sei es, die Peripherie zum Zentrum zu machen, kurz "Die Mitte der Welt zu verschieben".
Recht hat der Mann! Und Gatti spielt auch so, wie er redet: Deutlichkeit und Nachdrücklichkeit bestimmen die Interpretationen, jeder von seinen besonders in der Tiefe saftigen und volltönenden Bogenstrichen scheint zu sagen: "Diese Sonaten sind große Kunst; es gibt keine Note, die nicht mit vollem Bewusstsein gesetzt wäre." Das Kraftvolle und das Bukolische, das sich in den Sonaten besonders in deftigen Pastoralen und bohrenden chromatischen Experimenten äußert, scheint Gatti dabei etwas mehr zu liegen als der galante Unterton, den man in den Stücken auch entdecken könnte; auch ist sein Ton in der Höhe nicht immer von der gleichen Intonationsreinheit und Strahlkraft. Umso überzeugender sind seine Verzierungen: Sie umranken die klaren Linien, ohne sie zu unterbrechen und das mit einer so plötzlichen Leichtigkeit, dass man den Geiger im Gespräch mit sich selbst zu hören wähnt. Kurz: man entdeckt eine vitale, geistreiche, durchaus auch kantige Persönlichkeit. Die Persönlichkeit Tartinis oder Gattis? Einerlei: es ist ein Vergnügen, sie kennen zu lernen.

Carsten Niemann, 01.05.2004



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