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Francesco Cavalli, Johann Rosenmüller, Giovanni Legrenzi

Harmonie Veneziane

Sonatori de la Gioiosa Marca, Giorgio Fava

Erato/Warner 0927 49143-2
(69 Min., 9/2001) 1 CD

Achtung: dies ist etwas zum Hinhören. Denn wer sich auf das Stichwort ”Harmonie Veneziane” schon in die berühmten doppelchörigen Klangbäder der Lagunenstadt stürzen will, der wird wohl ebenso enttäuscht werden wie diejenigen, die sich auf dasselbe Stichwort schon die Masken für den Karnevalstrubel der legendären Opernmetropole überziehen. Was nicht heißen soll, dass der Klang der Sonatori de la Gioiosa Marca keinen saftigen Klangkern besäße, oder dass dieses Ensemble seinen starken theatralischen Impuls verloren hätte. Im Gegenteil: Beide Eigenschaften verleihen dieser Auswahl an frühbarocken Sonaten individuelles Profil: angefangen von Francesco Cavallis überreizter Eliogabal-Ouvertüre über Pietro Zianis konservativen Modellkontrapunkt bis hin zu Johann Rosenmüllers melancholisch eingefärbten Tanzsuiten und der Frische von Giovanni Legrenzis Melodik, die durch herzhafte Schläge der Chitarra übrigens noch klug betont wird. Dabei achten die Sonatori auf Durchhörbarkeit, was besonders dem entschieden sprechenden Bratschenpartien zu Gute kommt. So spannend es aber ist, hinter dem ähnlichen motivisch-harmonischen Grundvokabular die Eigenheiten der einzelnen Komponistenpersönlichkeiten zu entdecken (und überhaupt die Entwicklung der Sonate vom unterhaltsamen ”Klingstück” zum individuellen Künstlerstatement nach zu verfolgen): würde man das alles in einem Rutsch weghören, dann verwischten die Aussagen, als läse man eine Zeitschrift, die nur aus Interviews bestünde.

Carsten Niemann, 07.02.2003



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