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George Butterworth

Lieder und Orchesterwerke

Benjamin Luxon, Davis Willinson, Academy of St Martin in the Fields, Neville Marriner

Decca 468 802-2
(56 Min., 1975 - 1976) 1 CD

A. E. Housman - außerhalb Englands ist der Name dieses Dichters wohl kaum bekannt. In Großbritannien des beginnenden 20. Jahrhunderts jedoch war Housmans Gedichtsammlung "A Shropshire Lad" ("Ein Kerl aus Shropshire") geradezu Kult - als Symbol einer pastoralen Idylle, die es in der von Housman besungenen Form vielleicht nie gegeben hat, in die sich aber trotzdem jeder hineinwünschte. Das sorglose, kontemplative Landleben diente Bürgern wie Künstlern als Gegenmodell zur Realität, auch und gerade in Zeiten, da die "gute, alte Zeit" endgültig im Strudel des Ersten Weltkriegs zu versinken sich anschickte.
Komponisten wie Vaughan Williams und Ireland ließen sich vom "Shropshire Lad" inspirieren, und Vaughan Williams' Freund George Butterworth widmete gar einen Großteil seiner Schaffenskraft dem viel gelesenen Gedichtzyklus: die"Six Songs From A Shropshire Lad", "Bredon Hill And Other Songs" und die Orchesterrhapsodie "A Shropshire Lad" sind sämtlich auf dieser CD vertreten. Viel mehr hat Butterworth nicht geschrieben, denn 1916 fiel er im Krieg, einunddreißig Jahre alt.
In seinen Liedern eifert er, wie die meisten seiner komponierenden Landsleute in jenen Jahren, dem Ideal der vollkommenen Pastorale nach - mit eingängiger Melodik, die sich der Folklore stilisiert annähert, ohne sie zu zitieren. So geschmackvoll Butterworth dabei auch zu Werke geht: Der Vergleich etwa mit Vaughan Williams' "On Wenlock Edge" zeigt doch die Bescheidenheit seiner Mittel. Allzu wohlerzogen, gleichförmig und ausdrucksmäßig beschränkt präsentieren sich diese Housman-Vertonungen.
Man könnte Butterworth also als einen jener typischen Kleinmeister ad acta legen, wie es sie zu allen Zeiten zahlreich gegeben hat, wenn er nicht auch jene Rhapsodie geschrieben hätte. Der orchestrale "Shropshire Lad" ist ein kleines Meisterwerk und hat alles, was seinen vokalen Brüdern fehlt. Auf kleinem Raum und ohne Worte gelingt es Butterworth hier, dieses geträumte britische Arkadien erstehen zu lassen, das seine Landsleute so sehr faszinierte - mit souveräner Beherrschung der orchestralen Farbpalette und einer wesentlich vielschichtigeren Harmonik. Es ist eigentlich weniger eine Huldigung als ein Abgesang an ein wunderschönes Trugbild, am Schluss hoffnungslos verdämmernd; niemand musste 1913, als das Werk entstand, ein Prophet sein, um das baldige Ende jeglicher Idylle zu erspüren.
Die Einspielung mit Neville Marriner wurde bislang nicht übertroffen; bald jedoch soll John Barbirollis Interpretation wieder erhältlich sein.

Thomas Schulz, 18.04.2002



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