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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 1 - 9

Camilla Tilling, Charlotte Hellekant, Julian Gavin, Nathan Berg, Chor des Städtischen Musikvereins Düsseldorf, Residenz Orchester Den Haag, Jaap van Zweden

Philips/Universal 476 028-2 SACD
(334 Min., 6/2002 - 3/2003) 5 CDs, 5 SACDs Multichannel; in Stereo auch auf CD-Spieler abspielbar

Schon vor einigen Jahren sorgten Beethoven-Sinfonien mit einem auf dem internationalen CD-Markt wenig bekannten Orchester und Dirigenten für Furore. Quasi als mehrkanaliges Pendant zu der damaligen Veröffentlichung des Midprice-Labels Arte Nova hat Philips nun eine Sinfonien-Kassette veröffentlicht. Sie kommt spartanisch daher in einer Doppel-CD-Hülle ohne aufwändiges Pappcover und dickes Booklet, kann aber als Sensation bezeichnet werden. In Studioproduktionen (mit Ausnahme von Nr. 9) spielte das Residentie Orkest Den Haag unter seinem Chefdirigenten und ehemaligen Konzertmeister des Concertgebouw Orchestra Jaap van Zweden in einem knappen Jahr sämtliche Sinfonien ein.
Eigentlich macht Jaap van Zweden mit seinem Orchester, das von bemerkenswerter Qualität ist, nichts anderes als das zu spielen, was in den Noten steht, aber was will man mehr: Beethovens Notentext frisch musiziert, präzises Spiel, ein schlanker, transparenter Klang, der auch die Reibungen beispielsweise der Violinen mit den Mittelstimmen deutlich hervortreten lässt, die an vielen Stellen vorhandenen kontrapunktischen Strukturen offenlegt, die zahlreichen Holzbläsereinwürfe differenziert abbildet, und das – wie gesagt – auf hohem technischem Niveau. Kein falsches Pathos, und Spannung dort, wo sie hingehört. Trotz modernem Orchester sind in die Interpretationen die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis eingeflossen, wie dies im einzigen Booklet-Text erläutert wird. Das äußert sich z. B. in Form von forschen Tempi, bereits im Kopfsatz der 1. Sinfonie (in langsamen Sätzen manchmal vielleicht etwas zu forsch), gezielt eingesetzem Streichervibrato und einer Genauigkeit bei der Ausführung der (notierten) Artikulationsangaben, die man bei anderen Aufnahmen häufig vermisst. Nur schade, dass auf eine historisch korrekte deutsche Orchesteraufstellung mit einander gegenübersitzenden Violinen verzichtet wurde.
All dies tritt bereits bei der zweikanaligen Wiedergabe deutlich hervor, wer jedoch die Möglichkeit einer mehrkanaligen Wiedergabe des SACD-Formats hat, für den öffnet sich eine neue Dimension, wenn nicht gar ein ganzes Universum. In der räumlichen Wiedergabe und in der feineren dynamischen und spektralen Auflösung erschließt sich eine ungewöhnlich gute Abbildung und eine besonders gute Wiedergabe der Tiefen, was beispielsweise deutlich wird beim Fugato der Kontrabässe im 3. Satz der 5. Sinfonie: Man schwelgt förmlich beim Allegretto der 7. Sinfonie und natürlich bei der groß besetzten 9. Sinfonie (die allerdings als Konzertmitschnitt nicht ganz die Differenzierung der anderen aufweist). Das ehemalige Philips-Produktionsteam, das nun unter dem Namen "Polyhymnia" firmiert, hat im Dr. Anton Philipszaal in Den Haag eine durchsichtige, nicht zu hallige und klanglich gut ausbalancierte Aufnahme produziert und in der Nachbereitung kräftig gezaubert.
Auch wenn man meint, die populären Sinfonien gut zu kennen, man wird bei dieser Einspielung Neues entdecken. Eine Empfehlung für alle Beethoven-Fans.

Peter Overbeck, 27.09.2003



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