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Metheny / Mehldau

Pat Metheny, Brad Mehldau

Nonesuch/Warner 07559 79964-2 5
(66 Min., 10/2005) 1 CD

Duette mit Klavier und Gitarre sind riskant, denn beide Instrumente taugen zum Akkordspiel - und damit wächst die Gefahr, dass sich die Protagonisten in der harmonischen Entwicklung eines Stücks ins Gehege kommen. Der Gitarrist Pat Metheny und der Pianist Brad Mehldau liefen nicht in diese Falle. Sie hatten sich ausreichend vorbereitet und verfügten wohl auch über genügend Intuition, die Bewegungen des Partners vorauszuahnen und ihnen den nötigen Freiraum zu lassen. So gehen bei beiden das Melodie- und Harmoniespiel fließend ineinander über - ein Zeichen tiefen Verständnisses. Trotzdem scheint den zehn Titeln beim ersten Hören der nötige Funke Lebensfreude zu fehlen. Man hört die beiden nicht, schnipst mit dem Finger und sagt: Klasse Groove. Ihre Dialoge sind spröder - und so tief, dass die Platte bei jedem Neustart neue Qualitäten gewinnt. Dann fasziniert, wie Metheny die Veränderung der Klangfarbe der Gitarre als zusätzliches Element zum üblichen Saitenspiel nimmt und damit sensibel auf den Stand des Dialogs reagiert. Vom fast akustischen Spiel bis zum voluminösen Metheny-Sound aus den raumfüllenden Konzerten mit seiner "Group" reicht sein Spektrum, wobei er sich im Duo mit Mehldau häufig auf die natürlicheren Klangvarianten konzentriert. Mehldau bringt dichte Cluster, filigrane Melodien, Schmuck- und Umgarnungsfiguren und zurückhaltende Begleitakkorde ins Geschehen, reagiert mit Dissonanzen auf Wohlklang, wechselt je nach Methenys Spiel und Entwicklungsstand des Stücks die Lagen, räumt und besetzt Tonbereiche, verschafft sich und gewährt Metheny Platz. Dies geschieht so unspektakulär und selbstverständlich, dass das Spektakuläre dieses intensiven Zusammenspiels kaum ins Bewusstsein rückt. In zwei Stücken, Methenys "Ring Of Life" und "Say The Brother’s Name", erweitern der Bassist Larry Grenadier und der Schlagzeuger Jeff Ballard das Duo zum Quartett. Hier stellt Metheny auf die gewohnten Sounds um, und Mehldau nutzt Methenys Pausen, um - wie in seinem regulären Trio - Harmoniespiel der Linken und Tonkaskaden der Rechten gegeneinander auszuspielen. Das hat Klasse, ist eingängiger, aber eben auch längst nicht so interessant wie die wagemutigen Duos. Es lohnt sich, die vielen feinen Nuancen durch mehrmaliges Abspielen zu entdecken und genießen.

Werner Stiefele, 26.09.2006



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