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Jim Hall & Basses

Jim Hall

Telarc/In-Akustik CD-83506
(68 Min., 2001) 1 CD

Jim Halls Duo-Aufnahmen mit Ron Carter und Red Mitchell aus den siebziger Jahren haben das Klangideal der Besetzung Jazzgitarre/Kontrabass mitgeprägt. "Jim Hall & Basses" könnte eine ähnliche Ausstrahlung auf die Zukunft dieses Genres haben. Im Alter von siebzig Jahren klingt Hall noch moderner als die meisten seiner jüngeren Kollegen. Was ihm im Vergleich zur jüngeren Generation an vordergründiger Virtuosität fehlt, macht er durch harmonische wie klangliche Fantasie und seinen breiten musikalischen Horizont mehr als wett.
"Abstractions" heißt eine Komposition aus dem Geist der Neuen Musik, die Hall während seines Musikstudiums in den fünfziger Jahren angefertig hat. Bereits 1967 in einer denkwürdigen Duo-Version mit Lee Konitz aufgenommen, dient sie ihm hier als Grundlage für freie Dialoge mit Charlie Haden, Scott Colley und zweimal für Trialoge mit Colley und George Mraz. Ein beseeltes "Don't Explain" mit Charlie Haden, das bei Hall unvermeidliche "All The Things You Are" mit George Mraz und ein kaum wiederzuerkennendes "Besame Mucho" mit Scott Colley sind die einzigen Standards. Ansonsten ausschließlich Eigenkompositionen, auch für die Duos mit Dave Holland und Christian McBride jedem Bassisten auf den Leib geschrieben.
Swingende Tradition und die Sperrigkeit der Neuen Musik gehen in der Klangwelt des Jim Hall so selbstverständlich miteinander um wie alte Freunde. Dabei gelingt es Hall immer noch, uns zu überraschen, ob mit synthesizerartigen Sounds oder mit schmerzhaft-schönen Akkorden. So ist "Jim Hall & Basses" nicht zuletzt auch ein Triumph der Individualität über das Alter.

Jürgen Schwab, 27.09.2001



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