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Jazz At The College Of The Pacific

Dave Brubeck-Quartet

Fantasy/ZYX OJC20 047-2
(40 Min., 12/1953) 1 CD

Bei der intellektuellen weißen Collegejugend der Fünfziger war Brubecks Spielart des Cool Jazz auf Anhieb erfolgreich. Diese aufmerksame Zuhörerschaft inspirierte Brubeck und sein Alter Ego, den Altsaxofonisten Paul Desmond, zu ihren größten Höhenflügen. Ihre Verständigung war in den besten Momenten geradezu telepathisch - sonst hätten sie kaum improvisierend solch polyfone Linien spinnen können, wie sie ihnen hier und auf der im gleichen Jahr entstandenen Aufnahme "Jazz At Oberlin" (OJC 046) bisweilen glücken.
Gelegentlich unterhielten sich die beiden auch musikalisch miteinander: Wenn einem etwa ein Mädchen im Publikum gefiel, beschrieb er es mit den Worten eines passend zitierten Standards, wozu der andere dann - wiederum vom Auditorium unbemerkt - mittels einer anderen, ebenfalls zu den Akkorden passenden Melodie einen persönlichen Kommentar abgab, und so fort.
Während das später in der Rhythmusgruppe umbesetzte Quartett seinen Reiz aus Brubecks raffinierten Kompositionen in oft ausgefallenen Taktarten bezog, verlässt es sich hier noch vollständig auf das übliche Standardrepertoire. Die langsam gesteigerten, perkussiven Alleingänge des Pianisten verraten noch deutlich ihre Herkunft aus der bitonalen Schule seines Lehrers Darius Milhaud; Paul Desmonds hierzu komplementäre, scheinbar mühelos aus seinem Horn strömende, lyrische Melodienfülle machte ihm auf seinem Instrument so schnell keiner nach.
"Cool" ist diese leidenschaftlich gespielte Musik also bestenfalls ihrer äußeren Anmutung nach - das Quartett durcheilt die Harmonien wie eine gut geölte, ordentlich unter Feuer stehende Dampflok auf Hochtouren. Nun erstrahlt einer der Edelsteine im Katalog des - seinerzeit eigens für Brubecks Musik ins Leben gerufenen - Fantasy-Labels in neuem Glanz: Das Remastering dieser fast fünfzig Jahre alten Liveaufnahme hat den vier Instrumenten zu einer gesteigerten Durchhörbarkeit verholfen.

Mátyás Kiss, 31.01.2002



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