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Dialogue

Bobby Hutcherson

Blue Note/Capitol 4 35586 2
(45 Min., 4/1965) 1 CD

Der Vibrafonist und Marimbafonspieler Bobby Hutcherson präsentierte sich mit dieser stilistisch wagemutigen Produktion erstmals einem breiteren Publikum, nachdem ein sechzehn Monate früher bespieltes Band ins Archiv verbannt worden war ("The Kicker"). Die Besetzung ist diesmal eine völlig andere: Von Post-Bop ist kaum noch etwas zu spüren, das "New Thing", dem sich eine Reihe von Blue-Note-Künstlern (darunter Miles' Sidemen) verpflichteten, hatte inzwischen Einzug gehalten. Die Themen stammen vom Klavier-Individualisten Andrew Hill oder von Hutchersons bevorzugtem Schlagzeuger Joe Chambers - neun Wochen später (auf "Components") sollte Hutcherson ebenfalls als Komponist hervortreten.
Wer jetzt glaubt, er könne sich bei dem Mambo "Catta" oder dem Walzer "Idle While" entspannt zurücklehnen, täuscht sich: Die Solisten begeben sich auf ein unsicheres Terrain ziemlich "far out", jedenfalls abseits des Gewohnten. Das regierende Prinzip ist das dialogische. Gewissermaßen könnte jeder der Beteiligten als Leader geführt werden, so stark ist alles von einem kooperativen Geist durchdrungen. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass alle solieren, oder auch keiner.
Der Bassist Richard Davis fühlt sich so wenig an eine konventionell dienende Rolle gebunden, dass man verstehen kann, warum er gleichzeitig klassische Konzertmusik spielte; Sam Rivers bläst auf seinen vier Holzblasinstrumenten alles Mögliche, bloß keine stereotypen Licks; und Freddie Hubbard stellt sich der Herausforderung, eben nicht die gewohnten Harmonien rauf- und runterzudeklinieren. Wundert es da noch jemanden, dass "Dialogue" sogar ohne Thema auskommt?
Wie es sich für eine experimentell angelegte Produktion gehört, ist nicht alles gleichermaßen geglückt. Aber wie könnte es bei Titeln ohne vorgegebene Tonart oder festes Metrum anders sein? Selbst wenn nachfolgende Aufnahmen Hutchersons mit Herbie Hancock mehr wie aus einem Guss wirken: Die Offenheit und Klischeearmut von "Dialogue" hat diese Aufnahme bis heute frisch gehalten.

Mátyás Kiss, 09.05.2002



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