Responsive image

Gershwin's World

Herbie Hancock

Verve/Universal Jazz 557 797-2
(67 Min.) 1 CD

Im September hat sich George Gershwins Geburtstag zum hundertsten Male gejährt. Für viele ist dieser Komponist der Vertreter der amerikanischen Musik schlechthin. Auf einzigartige Weise hat er es verstanden, die verschiedenen Musikkulturen der Neuen Welt zu einem Personalstil zu verschmelzen, mit dem sich die junge Nation universal und unkompliziert identifizieren konnte. Jazzmusiker schwärmen von dem offenen Charakter seiner Themen, und Jazzmusiker sind es, die sein Werk am eifrigsten und lebendigsten pflegen.
Jetzt hat Herbie Hancock, als Stilverschmelzer und -überwinder ein Seelenverwandter Gershwins, diesem allamerikanischen Genie seine Reverenz erwiesen. Dabei hat er sein Gershwin-Programm um die Musiken erweitert, die in besonderem Bezug zu Gershwins musikalischer Entwicklung standen. Und für dieses breit angelegte Unterfangen konnte er auf hervorragende Interpreten zurückgreifen wie etwa das Orpheus Kammerorchester, Kathleen Battle und - erdig jazziger - Joni Mitchell; Stevie Wonder interpretiert W. C. Handys “St. Louis Blues”, und als Duopartner agiert Chick Corea mit dem Leader ausgelassen über eine James-P.-Johnson-Nummer. Natürlich darf Duke Ellington nicht fehlen: Dessen auf den berühmten Changes von Gershwins “I Got Rhythm” basierendes “Cotton Tail” findet in Wayne Shorter einen hervorragenden Interpreten. Herbie Hancock ist der Solist im zweiten Satz von Maurice Ravels G-Dur-Klavierkonzert, das durch Gershwin angeregt wurde.
Das aufregendste an der CD ist aber, wie die bekannten zu Jazzstandards gewordenen Gershwin-Songs alle Arrangements erfahren, die unverkrampft den aktuellen Hancock-Sound mit dem Bewusstsein um die Wirkungsgeschichte dieser Musik verbinden; stets ist Hancock ebenbürtiger Solist, der nicht weniger adäquat von seinen Mitspielern unterstützt wird, von denen noch James Carter, Kenny Garrett und Eddie Henderson besondere Erwähnung verdienen. Eine stimmigere zeitgenössische Darstellung von George Gershwins Welt ist kaum denkbar.

Thomas Fitterling, 30.04.1998



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nordlicht: Aus dem damals dänischen Holstein stammend, wird Dieterich Buxtehude im Frühling 1668 der neue Kirchenmusiker an St. Marien in Lübeck. Mit der Übernahme von Amt (und Heirat der Tochter) von Franz Tunder führt er auch dessen „Abendmusiken“, festliche und groß besetzte Adventskonzerte, fort. Diese sind so erfolgreich, dass Buxtehude bald der strahlendste Vertreter der Norddeutschen Orgelschule ist, den zu besuchen sich Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Johann […] mehr »


Top