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American Dreams

Charlie Haden, Michael Brecker

Verve 064 096-2
(75 Min.) 1 CD

Der Sound von Charlie Hadens Bass ist schon aufgrund seiner Mitgliedschaft im ersten Ornette-Coleman-Quartett, in seinem eigenen Liberation Music Orchestra oder im amerikanischen Keith-Jarrett-Quartett der siebziger Jahre Teil der Jazz-Geschichte. Ähnliches gilt - trotz seines nicht einmal halb so langen Lebensweges - für Brad Mehldau, den vielleicht wichtigsten Pianisten der letzten zehn Jahre. Und Drummer Brian Blade, der die interessante eigene Gruppe Fellowship unterhält, hat schon mit Joni Mitchell, Joshua Redman und Wayne Shorter aufgenommen - das sind auch nicht gerade die schlechtesten Adressen.
Von einer Zusammenarbeit der drei hätte ich mir um einiges mehr erwartet - doch es handelt sich eben nicht um eine Trio-Aufnahme. Zum einen ist auf den meisten Stücken Michael Brecker dabei, der wegen seiner Vielseitigkeit - man könnte auch sagen: Gesichtslosigkeit - am meisten aufgenommene Saxofonist aller Zeiten; zum anderen haben drei Arrangeure, darunter Vince Mendoza ("Jazzpaña") und Alan Broadbent (Quartet West), die Klänge eines vierunddreißigköpfigen Streichorchesters hinzugefügt.
So wäre um ein Haar eine absehbar verlaufende Easy-Listening-Aufnahme herausgekommen - gäbe es da nicht die wenigen, für Irritationen sorgenden Jazzelemente: Breckers zum Garbarekschen Quäken neigende Improvisationen und Mehldaus anderswo faszinierenden, in diesem Kontext jedoch oft falsch klingenden Akkorde. Und für eine schwelgerische Musik zu einem (imaginären) Film zieht sich diese Einspielung, die es an Ödnis mit den Wüsten Arizonas aufnehmen kann, zu lange hin.
Wäre "American Dreams" nicht nur ein Gast im CD-Player, sondern ein Besucher aus Fleisch und Blut, würde man von ihm (unübersetzbar) sagen: "He outstayed his welcome."

Mátyás Kiss, 14.11.2002



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