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"... And His Mother Called Him Bill"

Duke Ellington

RCA/BMG 74321 85151 2
(72 Min., 1967) 1 CD

Billy Strayhorns Musik lässt keinerlei Wünsche offen, die sich an große Kunst stellen lassen. Sehr verständlich, dass Duke Ellington seine Arbeiten schätzte, zumal sich diese so nahtlos mit den seinigen verknüpfen ließen, dass anschließend niemand hätte sagen können, was nun von wem stammte.
Anders als bei Konzertmitschnitten oder den zahlreichen Suiten-Kompositionen jener Jahre beschränken sich die ausschließlich Strayhorn komponierten Nummern dieser postumen Hommage-CD auf ein Format von drei bis vier Minuten und jeweils ein bis zwei Solisten. Seien es die Trompeter Clark Terry oder (als Stratosphären-Noten-Spezialist) Cat Anderson, der Weltmeister des sinnlichen Altsaxofons Johnny Hodges oder der stets unterschätzte Klarinettist Jimmy Hamilton, um nur wenige Beispiele herauszugreifen: Alle kommen ohne Umschweife auf den Punkt und zeigen, was in ihnen steckt.
Bis auf Strayhorns letzte, auf dem Totenbett entstandene Komposition "Blood Count", ein bewegendes Feature für seinen Lieblingssolisten Johnny Hodges, und das ebenfalls durch Hodges zum Klassiker gewordenen "Daydream" enthält die Sammlung eher seltener gespielte, dabei durchwegs attraktive Stücke. Hingegen glänzen "Take The A-Train", die Erkennungsmelodie des Ellington-Orchesters, das frühe "Lush Life" oder die legendäre "Chelsea Bridge" durch Abwesenheit. Also ein klingender Nachruf, wie er persönlicher kaum hätte ausfallen können: Die ursprüngliche LP schloss mit einem Klaviersolo über die Ballade "Lotus Blossom", das Ellington am Ende einer Session anstimmte, als seine Musiker schon am Einpacken waren.
Auf der CD treten die herrlichen, einzigartigen Klangfarben dieser Musik noch leuchtender hervor als ehedem; außerdem enthält sie eine halbe Stunde zusätzliche Musik: drei Strayhorn-Titel, die es nicht auf die Platte geschafft hatten, drei Alternativfassungen und die hier etwas deplatzierte, leider auch schwächelnde Ellington-Nummer "Acht O'Clock Rock".

Mátyás Kiss, 04.10.2001



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