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Listen To The Band

Orrin Evans

Criss Cross/Helikon 1195
(64 Min., 6/1999) 1 CD

Die Generationen wechseln, und den akademisch ausgebildeten jungen Jazzern steht ein riesiger Fundus an Information zur Verfügung. Da fällt es schwer, sich zu orientieren und etwas Eigenes zu formulieren. Trotzdem gibt es immer wieder neue, verblüffende Kombinationen. Der Pianist Orrin Evans knüpft auf dem Album "Listen To The Band" an die Auflösungsphase von Hard Bop und Mainstream in den frühen sechziger Jahren an und greift seit den fünfziger Jahren aktuelle Modelle der freien Improvisation auf, in denen die Arbeit mit Melodien und Themen mit ungeplanten Entwicklungsprozessen gekoppelt wurde.
Evans am Flügel, der Bassist Reid Anderson und der Schlagzeuger Nasheet Waits treiben das Geschehen mit enormen Drive voran: eine sensationell dichte Rhythmusgruppe, die voller Überraschungen steckt. Der Sopransaxofonist Sam Newsome nutzt die in der jungen Generation ungewohnte Freiheit, die Töne nicht nur wohlgeformt zu blasen, sondern sie auch wild und ekstatisch flirren und quäken zu lassen - und das mit dem mit dem richtigen Gespür dafür, wie lange solche Exkursionen angenehm bleiben.
Auch der Tenorist Ralph Bowen und der Trompeter Duane Eubanks fühlen sich in diesem Grenzland wohl, das einst John Coltrane mit seinen hymnischen Improvisationen für den Jazz erschloss und das seitdem nur wenige kompetent weiter erkundeten. Hier weiter zu arbeiten, erfordert viel, vor allem eins: "Listen To The Band". Insofern ist der Titel des Albums programmatisch. Orrin Evans' Sextett hat die Forderung beachtet und pflegt in allen acht Titeln die hohe Kunst der musikalischen Konversation.

Werner Stiefele, 15.02.2001



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