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Tokyo '96

Keith Jarrett, Gary Peacock, Jack DeJohnette

ECM/Universal Jazz 539 955-2
(79 Min., 3/1996) 1 CD

Standards sind Populär-Mythen, die die großen Befindlichkeiten des Alltags in Text und Melodie auf den Punkt bringen. Sie haben ihre eigene Würde.
Keith Jarrett kommt das Verdienst zu, den Standards diese Würde wieder zurückgegeben zu haben. Immer noch werden sie allzuoft als klassische Prüfungsthemen behandelt, bei denen geistig vorzuturnen ist, welchen Grad an virtuoser Beherrschung der streng festgelegten Abhandlungstechniken der Vortragende denn beherrscht. Die oft beschworene Freiheit des Jazzmusikers hinkt dann oft weit hinter dem zurück, was an gestalterischer interpretatorischer Freiheit in der klassischen Musik gefordert ist.
Von dieser Art der Standard-Pflege ist das Keith-Jarrett-Trio meilenweit entfernt; Virtuosität dient dem aktiven gegenseitigen Zuhören, das seinerseits die Voraussetzung einer gemeinsamen Suche ist. Es ist bei den dreien stets eine Suche, die sich um den Geist der Befindlichkeit der Populär-Mythen müht. Bis heute gehört diese Suche des Keith-Jarrett-Trios zum Aufregendsten, was es im Jazz gibt.
Im März 1996 gastierte das Trio in Tokio. Eine besondere Spiritualität des Ortes muss dort wirksam sein. Das Trio wirkt außerordentlich frei, ungeheuer konzentriert ist die Wahl der Mittel. Die Suche kann sich stets im beglückenden Finden feiern.

Thomas Fitterling, 28.02.1998



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