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Oscar and Benny

Oscar Peterson, Benny Green

Telarc/In-Akustik CD-83406
(67 Min., 9/1997) 1 CD

Wenn der Vater mit dem Sohne ... Das aktuelle Ray-Brown-Trio plus Oscar Peterson alias zwei Drittel des alten Peterson-Trios plus Benny Green - endlich ein Spitzentreffen, das keine Produzentenkopfgeburt ist, sondern musikalisch sinnvoll. Der freudig swingende Green, der immer noch so klingt, als wäre er im Jahr seiner Geburt steckengeblieben, jener Zeit als Peterson auf der Höhe seiner Kunst war, ist Petersons Protegé und entwickelt sich, seit er bei Ray Brown spielt, auch immer mehr zum hochvirtuosen Tastenlöwen nach dessen Zuschnitt.
Auf seine eigenen Ohren muss sich der Käufer dieser CD verlassen, will er hier die Beiträge der beiden Pianisten (die ohnehin als swingende Einheit, nicht als rivalisierendes Kontrastprogramm angelegt sind) voneinander sondern. Doch an der Art, wie er seine Akkorde in Locked-Hand-Technik auftürmt oder wie er seine rasenden Läufe in Oktaven blitzsauber parallel abspult, ist Benny Green eindeutig identifizierbar. Solchen Kunststücken hätte Peterson nur in seiner Glanzzeit Paroli bieten können.
Freilich spricht das Beiheft zu Recht davon, dass es das kolossale Talent Petersons ist, das den Sound des Albums bestimmt, doch ist der Kollege pietätvoll genug, zu verschweigen, dass eben dieser Sound heute in den Händen des Jüngeren besser aufgehoben ist - weniger deshalb, weil Green mit ungebrochener Virtuosität und Vitalität aufwartet, sondern eher, weil er risikofreudiger auch die originelleren Einfälle hat, wo Peterson, ohne sich selbst zu übertreffen, mit seinen Markenzeichen seinen Status quo absichert. Und der liegt nun freilich unter den Höhenflügen seiner Glanzzeit. Doch wer mag ihm das vorwerfen? Wer hätte nach seinem Schlaganfall vor fünf Jahren je wieder solche Geläufigkeit und Anschlagskultur erwartet?
Wer sich von der Verdopplung der Talente eine Verdopplung der musikalischen Qualität verspricht, erwartet zu viel von so einem Treffen. Wo ein Pianist allein ein Stück dramaturgisch konsequenter gestalten kann, kommen sich zwei doch immer irgendwo ins Gehege. Das Plus sind die kleinen Freuden am Rand: Wenn etwa ein Pianist das Solo des anderen mit Akkorden begleitet, die der andere so garantiert nicht dazu gewählt hätte, kommt durch kleine, unerwartete Klangkollisionen zusätzliche Würze ins Spiel. Ray Brown und sein Drummer Greg Hutchinson bilden bei diesem Duo für vier Personen einen dezenten atmosphärischen Rahmen für elf Standards.

Marcus A. Woelfle, 31.03.1998



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