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N° 1281
26.11. - 02.12.2022

nächste Aktualisierung
am 03.12.2022



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75th Birthday Celebration

Oscar Peterson

Pablo/ZYX 0 90204 97322 4
(212 Min., 1955 - 1986) 3 CDs

Wahrscheinlich ist es die bessere Lösung, zum Jubeljahr eines Großen statt dickleibiger Gesamtausgaben einen ausführlichen Querschnitt aus dessen Schaffen vorzulegen: Von den Sessions, die einem darin am spannendsten vorkommen, kann man sich dann immer noch die Original-CDs kaufen, für die anderen tun's die Kostproben genauso - gerade bei einem seit 1946 so inflationär dokumentierten Musiker, von dem jeder das eine oder andere im Regal stehen hat. Immerhin banden Oscar Peterson langjährige Verträge an Verve, MPS und Telarc.
Live im "Zardi's" wurde das legendäre, nach Nat King Coles Vorbild schlagzeuglose Trio Petersons mit Herb Ellis und Ray Brown mitgeschnitten. Diese frühe Aufnahme hat Norman Granz Jahrzehnte später auf seinem Pablo-Label herausgebracht, aus dessen Beständen auch alle übrigen Aufnahmen stammen. Zwei CDs widmen sich Auftritten in Montreux und anderswo in so unterschiedlichen Besetzungen, dass allein die Nennung der Namen den Umfang jeder Besprechung sprengte. Traurig stimmt angesichts des geringen Alters der Aufnahmen, dass nahezu alle der beteiligten Größen nicht mehr leben. Man kann also sagen, Granz habe die Gunst der Stunde genutzt - bei den organisierten Jam Sessions, die seit den vierziger Jahren seine Spezialität waren, vielleicht zu weidlich.
Besondere Sorgfalt hat man der Studio-CD "Oscar Peterson and Friends" angedeihen lassen, auf der Stücke mit und ohne Trompeter (mit denen Granz Peterson besonders gerne zusammenspannte) aufeinander folgen. Für willkommene Abwechslung sorgen die Titel, auf denen Peterson - ein Zugeständnis an die Siebziger - E-Piano spielt. Eine echte Überraschung ist die zweimalige Begegnung mit Count Basie, eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Peterson sein überschäumendes Temperament zügelte.
Nicht dokumentiert sind hier Petersons Funktionen als begabter Sänger (von dem es allerdings kaum Aufnahmen gibt), als preisgekrönter Komponist und als einer der an einer Hand abzählbaren Solo-Pianisten, die es mit Art Tatum aufnehmen konnten.
Es gibt so viel Positives, das man über Peterson sagen kann, dass ich ein grundsätzliches Unbehagen, das mich bei ihm immer neu befällt, nicht verschweigen möchte: Oscar Peterson verkörpert eine besonders optimistische, auffallend problemlose Spielart des Jazz, die mich schlaucht. Denn es passiert bei ihm - vor allem in größeren Besetzungen - immer etwas zu viel des Guten, und es passiert auch so schnell, dass es auf mich verdächtig wirkt.
Wäre Peterson nicht Musiker, sondern mein Gesprächspartner, wäre ich zunächst beeindruckt, dann zunehmend erschlagen von seinem geistreichen Wortschwall. Wer zwanghaft einen Witz nach dem anderen reißt, will um jeden Preis im Mittelpunkt stehen. Dieser Mann, so würde ich folgern, hat's nötig: Denn er besitzt so wenig Selbstbewusstsein, dass er sich ständig beweisen muss, was für ein toller Hecht er ist. Wer also ist Oscar Peterson? Seine Musik ist mir die Antwort schuldig geblieben.

Mátyás Kiss, 28.09.2000



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