Responsive image
Ludwig van Beethoven

Sämtliche Werke für Klavier solo

Yukio Yokoyama

Sony 5061342
(6/1998, 11/1998, 3/1999) 12 CDs

Nein, sämtliche Klaviersonaten reichen nicht mehr, es müssen schon sämtliche Werke für Piano solo sein, um einen Maßstab zu setzen. Und so finden sich auf der Kassette mit zwölf CDs des Japaners Yukio Yokoyama nicht nur die 32 Kapitel des Neuen Testaments der Klavierliteratur, sondern auch die entsprechenden Variationswerke, Bagatellen und Rondos.
Yukio Yokoyama ist, wie wir aus dem dürftigen Beiheft erfahren, einunddreißig Jahre alt und Absolvent des Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique. Was er hier liefert, klingt im ersten Moment vielleicht perfekt, dann doch schnell sehr brav. Und es berührt zumindest mich kaum. Denn hinter einem sauberen Spiel scheint sich hier allzu wenig zu verbergen. Etwa in der fast noch spielerischen Sonate Opus 2 Nr. 3, in der die Exposition mit einer wenig gerechtfertigten, schroffen Kontrastierung zerschnitten wird. Immer wieder finden sich Stellen, die merkwürdig disparat und aneinander gereiht wirken, wo doch zusammenhängende Entwicklung sein sollte. Und das gilt auch für die zwischen die Sonaten eingestreuten "kleinen Formen".
Dieser Eindruck entsteht auch durch Yokoyamas kleine Rubati, die zum Beispiel in der "Mondscheinsonate" merkwürdig aufgesetzt wirken. Dem kolossalen Opus 111 fehlt es gar an jeglicher innerer, verstandener Dynamik, und es wundert mich, wie dieses Werk so unaufdringlich, ja verharmlosend gespielt werden kann.
Auch die dynamischen Akzente Yokoyamas sind letztlich nur bemüht. Statt aus dem ganz Organischen der Beethovenschen Musik zu wachsen und dabei auch ein Moment der Überraschung zu bieten, stehen sie zwar an den "richtigen Stellen", das heißt dort, wo man tatsächlich Akzente setzen könnte, aber doch ganz für sich, plakativ und marktschreierisch. Nur selten findet Yokoyama zu mehr Konsistenz, wie im ersten Satz von Opus 10 Nr. 3, wo er einfach mal der Komposition selbst freien Lauf lässt.
Was bleibt, ist der fatale Eindruck eines Musikautomaten, der mit allerlei Versatzstücken künstlerischen Ausdrucks gefüttert, doch nur eines zustande bringt: Automatenmusik.

Matthias Reisner, 22.08.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beutezüge im Barock: Manche Solisten haben das Pech, dass die größten Komponisten gerade für ihr Instrument kein Konzert geschrieben haben. Keine Trompete bei Mozart, keine Flöte bei Bach und überhaupt keine Konzerte von Schubert. Und obwohl Antonio Vivaldi dank seiner versatilen Schülerinnen in der Pietà für fast jedes erdenkliche Instrument und jede Kombination Concerti in Fülle entworfen hat – allein 39 für’s Fagott, nur seine eigene Violine hat mehr bekommen – gibt es […] mehr »


Top