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Deep In A Dream

Charlie Mariano

Enja/Soulfood ENJ-9423 2
(67 Min., 11/2001) 1 CD

Mit derselben Rhythmusgruppe um Bob Degen, die schon Dusko Goykovich auf "In My Dreams" begleitete, hat nun auch Charlie Mariano gearbeitet, der - man glaubt es kaum - nächstes Jahr achtzig wird. Nur so ist es möglich, dass seine letzte, mir bekannte Auseinandersetzung mit Standards auf die fünfziger Jahre datiert, als er für Bethlehem aufnahm. Später heiratete er die japanische Pianistin Toshiko Akiyoshi, lernte die indische Oboe Nagaswaram, lehrte in Malaysia und spielte in der Gruppe Nassim, die Jazzrock mit arabischer Musik kreuzte.
Doch bei all dem vergaß er nie seine Herkunft aus dem Bebop, seine Liebe zu klassischen Balladen und das jeden seiner Chorusse einfärbende Bluesfeeling, das ihm wohl erst den Zugang zu orientalischen Skalen eröffnete. Mit denen kommt er besser zurecht als jeder andere westliche Musiker, wovon seine langjährige Zusammenarbeit mit dem Karnataka College of Percussion kündet.
Hört man den reifen Mariano also nun in einem Kontext, für den jeder andere Jazzer als einfallslos gebrandmarkt würde, der aber für einen Weltmusiker seiner Statur beinahe schon wieder experimentell wirkt, erinnert er plötzlich an Art Pepper - mit dem entscheidenden Unterschied, dass der schmerzlich-klagende, leicht näselnde Ton Marianos weniger einem harten Leben abgerungen ist, als vielmehr die tönende Summe all seiner musikalischen Erfahrungen bildet.

Mátyás Kiss, 23.05.2002



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