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A Paris

Jacky Terrasson

Blue Note/EMI 5 27637 2
(56 Min., 2000) 1 CD

Seit geraumer Zeit entdecken europäische Jazzmusiker die eigene Song-Tradition als Vorlage für ihre Improvisationen. Doch bei bester Absicht ist die nicht immer von der rhythmischen Nonchalance und melodischen Offenheit, um dem Great American Songbook wirklich Paroli bieten zu können. Da sind die Franzosen zu beneiden mit ihren Chansons, die ihrerseits wieder oft genug jazzinspiriert sind. Wer weiß denn noch, dass "Autumn Leaves" die Melodie zu einem Jacques-Prévert-Gedicht ist?
Der franko-amerikanische Pianist Jacky Terrasson hat konsequenterweise auf diese Nummer in seiner ganz persönlich geprägten Hommage an melodischen Reichtum des Chanson-Erbes verzichtet. Auf "A Paris" feiert er musikalische Erinnerungen an seine Jugend in Paris und will dabei so fragile Chansons wie Barbaras "Nantes" oder Jacques Brels "Ne me quitte pas" mit dem afro-amerikanischen Idiom verschmelzen.
Zusammen mit seinem Trio und einzelnen Gästen, die mit der französischen Szene vertraut sind, ist ihm dies überzeugend gelungen. Man spürt, dass die Beteiligten mit Herzenswärme und ohne jede Verjazzens-Attitüde ans Werk gingen. Selbst der "Marseillaise" nehmen sie den blutrünstigen Schrecken und fördern den lyrischen Aspekt dieser Melodie zu Tage. Zwei Miniaturen und eine bewegende Ballade aus Terrassons Feder runden ein überzeugendes Programm ab.

Thomas Fitterling, 15.02.2001



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