Responsive image

Unsung Heroes

Tierney Sutton

Telarc/In-Akustik 0 89408 34772 6
(57 Min., 9/1999) 1 CD

Gleich vorweg: Schon lange hat mich keine Neuerscheinung so restlos begeistert! Der siebenunddreißigjährigen Amerikanerin Tierney Sutton kann man nicht gerade übertriebene Medienpräsenz vorwerfen: Diese überaus sorgfältig produzierte Aufnahme, die sie mit handverlesenen, um den Pianisten Christian Jacob gruppierten Solisten realisierte, ist erst ihre zweite unter eigenem Namen. Dadurch hatte sie wirklich Zeit, sich ihrer Mittel und Möglichkeiten vollends bewusst zu werden und darüber nachzudenken, worauf sie sie verwenden möchte. Hier befasst sie sich mit Jazzstandards, die überwiegend in instrumentaler Form bekannt sind - daher "ungesungen".
Die zweite Bedeutung von "unsung" - "unbesungen" - lässt sich auf die Herren Gillespie, Herman, Henderson, Parker & Co. schwerlich anwenden; es ist Frau Sutton selber, der ein Loblied gebührt. Auch sie verweist auf die üblichen Vorbilder - der Scatgesang wurde schließlich nicht letzte Woche erfunden. Aber nicht bloß, dass Tierney Sutton sich einige der denkbar haarigsten Titel ausgesucht hat - bei Shorters beeindruckend gemeisterten "Speak No Evil" gelangt selbst sie an ihre Grenzen -, sie achtet im Improvisationsteil stets darauf, dass auch ästhetisch überzeugt, was sie mit ihrem völlig instrumental behandelten, bis in die Altregion erweiterten Sopran anstellt.
Tierney Sutton führt ihre Stimme nicht nur mit größter technischer Sicherheit, bei ihrem Klang, der den Kriterien klassischer Schönheit gehorcht, habe ich mir gedacht: So könnten sich die Sirenen in Odysseus' Ohren angehört haben.

Mátyás Kiss, 29.06.2000



Diese CD können Sie kaufen bei:

Als JPC- und Amazon-Partner verdienen wir an qualifizierten Verkäufen


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Externer Inhalt - Spotify

An dieser Stelle finden Sie Inhalte eines Drittanbieters, die Sie mit einem Klick anzeigen lassen können.

Mit dem Laden des Audioplayers können personenbezogene Daten an den Dienst Spotify übermittelt werden. Mehr Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ein paar vorgegebene Noten, aber auch viel frei Improvisiertes – fast wie im Jazz. Beschrieb Nils Mönkemeyer seinen neuen diskografischen Ausflug nach Italien jüngst im Radio. Und ja, wer sich etwa erinnert, was Patricia Kopatchinskaja dem Konzerte wie am Fließband produzierenden Antonio Vivaldi unlängst auf der Geige andichtete – zugeben deutlich radikaler, als Mönkemeyer hier vorgeht – fühlt sich darin bestätigt. Es gibt Spielraum. Nun ist Mönkemeyer Bratscher, begegnet also […] mehr »


Top