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Left Bank Encores

Gene Ammons, Sonny Stitt

Prestige/ZYX PRCD 11022-2
(73 Min., 6/1973) 1 CD

Der Titel "Encores" (Zugaben) erklärt sich aus einer vorangegangenen Veröffentlichung: "God Bless Jug & Sonny (Live At The Left Bank)". Der zweiteilige Mitschnitt aus dem "Famous Ballroom" in Baltimore ist eines der letzten Dokumente einer lebenslangen Freundschaft zweier gleichrangiger Musiker: Gene Ammons und Sonny Stitt spielten seit 1944 immer wieder gemeinsam; dies war eines ihrer letzten Treffen, da Ammons im folgenden Jahr, erst neunundvierzigjährig, starb.
Trotzdem ist bei Ammons, in seiner Frühzeit im Orchester Billy Eckstine einer der Bebop-Pioniere, keinerlei Anzeichen einer Ermattung zu spüren; sein riesiger, knorriger Ton ist noch intakt. Was gegenüber seinen frühen Singles für Savoy oder Prestige auffällt, ist allerdings eine weitere klangliche Verharschung, die vielleicht auf die psychischen Folgen zweier längerer Gefängnisstrafen zurückgeht.
Sonny Stitt hebt sich sowohl von seinem Bandkollegen als auch von der zum Zeitpunkt der Aufnahme vorherrschenden Tenorsaxofon-Stilistik (Coltrane und Shorter) angenehm ab, wirkt hier aber paradoxerweise weniger aufregend als auf seinen bekanntesten Bop-Einspielungen, die er um 1950 für dieselben Labels wie Ammons vornahm. Stitt war durch permanentes Touren ohne feste Begleitcombo mittlerweile zum Mainstream-Musiker gereift, während die auffallende Rhythm-&-Blues-Lastigkeit Ammons' ohne Rest im beliebten Soul Jazz aufgegangen war.
Sam Jones, der seinen Bass für Ammons bereits auf der letzten Aufnahme von Dodo Marmarosa (Prestige, 1962) zupfte, beeinträchtigt die Freude an der sonst ordentlich klingenden Aufnahme durch ein billiges Pick-Up; im übrigen könnte die Rhythmusgruppe mit Cedar Walton und Billy Higgins kaum prominenter besetzt sein. Auf zwei Stücken, darunter ihrem Erfolgstitel "Don't Go To Strangers", gastiert die wunderbare Etta Jones. Sie sorgt für eine willkommene Verschnaufpause zwischen den unblutig ausgetragenen und stets unentschieden ausgehenden Saxofonduellen auf den restlichen Titeln.

Mátyás Kiss, 05.12.2002



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