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The Paris Sessions

Bud Powell

Pablo/ZYX CD-2310-972-2
(64 Min., 1957 - 1964) 1 CD

In den achtziger Jahren veröffentlichte der Grafiker und Powell-Biograf ("La danse des infidèles") Francis Paudras auf dem kurzlebigen Label "Mythic Sound" zwölf Platten bzw. CDs, welche das Schaffen seines Freundes während dessen fünf Pariser Jahren dokumentierten. Das Pablo-Label hat jetzt die Rechte an diesen Aufnahmen erworben und bringt sie in anderer Kopplung und verbessertem Klang neu heraus.
Seien Sie nicht enttäuscht: Die auf dem Cover versprochenen Bläsersolisten Dizzy Gillespie, Zoot Sims, Barney Wilen und Johnny Griffin sind mit nur je einem Solo zu hören. Elf der vierzehn Nummern bestreitet das Bud-Powell-Trio, welches von 1957 bis 1962 mit Pierre Michelot und Kenny Clarke geradezu ideal besetzt war. Der tontechnisch schwankenden Qualität der Aufnahmen entspricht ein auch pianistisch nicht immer unanfechtbar agierender Powell.
Besonders bei den sechs an sich durchaus hörenswerten Alternativversionen eines von Duke Ellington produzierten Studiotermins von 1963 (der auf Reprise als "Bud Powell in Paris" herauskam) bleibt Powell nicht zuletzt wegen des Oldtime-Spiels des ihm aufgezwungenen Schlagzeugers Kansas Fields spürbar unter seinen Fähigkeiten. Drei selten zu hörende Originals entschädigen dafür ein wenig.
Doch in den Konzert-Mitschnitten, die Powell-Spezialitäten wie "John's Abbey" oder "Get Happy" in pfeilschnellen, manuell tadellosen Versionen beinhalten, erreicht er gelegentlich das Niveau seiner klassischen Verve- und Blue-Note-Aufnahmen, mit denen er in den Jahren 1949 bis 1953 den Maßstab für Bebop-Piano festlegte: von einer tatumesken Virtuosität, melodisch unerschöpflich und rhythmisch originell wie Charlie Parker, dabei von einem geradezu existenziellen Mitteilungsdrang durchpulst, der schon wieder unpianistisch wirken konnte. Auf die Fortsetzung dieses Projekts darf man also gespannt sein.

Mátyás Kiss, 03.10.2002



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