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At The Montreux Jazz Festival 1975

Joe Pass

Fantasy/ZYX OJC20 934-2
(47 Min., 7/1975) 1 CD

Die zwanzig gleichzeitig vorgelegten Folgen der (mit 24 Bit remasterten, aber kaum anders als zuvor klingenden) Mitschnitte von den Montreux-Jazzfestivals 1975 und 1977 enthalten noch nicht einmal alle Konzerte - ich erinnere mich etwa an Platten von Oscar Peterson mit zwei Bassisten und mit dem Tommy-Flanagan-Trio. Aus dieser Flut zwar personell unwiederbringlicher, doch musikalisch nicht immer denkwürdiger Sets sticht dieses einsame Meisterwerk hervor; nicht einmal Joe Pass' bluesiger 1977er-Auftritt kann mit ihm verglichen werden, denn die niemals auszuschöpfende Welt der Standards lag Pass spürbar näher.
Es ist Norman Granz wohl weitgehend als persönliches Verdienst anzurechnen, dass das Genie des Gitarristen nicht nur von einer breiten Öffentlichkeit bemerkt, sondern seit "Virtuoso" (1973) auch ausgiebig für die Nachwelt dokumentiert wurde. Sangesfreunde lernten Pass als späten Begleiter Ella Fitzgeralds schätzen, Gitarrenfreaks konnten es nicht fassen, dass ein Jazzer auf nur sechs Saiten ein ganzes Konzert bestreiten kann, indem er nicht nur einen faszinierenden Solochorus nach dem anderen abliefert, sondern sich dazu auch noch so vielseitig begleitet, dass es einen vor lauter Swing kaum auf der Stuhlkante hält.
Das war natürlich nur denkbar, indem Pass das sonst von Akustik-Gitarristen gepflegte Fingerpicking auf die elektrische Gitarre übertrug, die - von Wes Montgomerys berühmtem Daumen abgesehen - bis dahin mit dem Plektrum gezupft wurde. Doch selbst dann brauchte Pass, auch dank der harmonischen Fantasie seiner Akkorde, die meiste Zeit nicht mehrstimmig zu spielen - viele der Linien werden von ihm eher impliziert, als dass sie wirklich erklingen. Aber der Effekt ist trotzdem frappierend - auch wenn er "nur" auf einem kleinen Frage-Antwort-Spiel beruht.

Mátyás Kiss, 12.09.2002



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