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The Dream

Ryan Kisor

Criss Cross/Harmonia Mundi 1215
(56 Min., 5/2001) 1 CD

In vielem erinnern die Aufnahmen des Labels Criss Cross an die früheren Aktivitäten von Blue Note. Hardbop und Bebop vorzüglicher, aber relativ unbekannter junger Musiker wird sorgfältig mit Liebe zum Detail produziert, und dabei wird den Musikern loyal die Treue gehalten.
Bei Blue Note war die Musik die Avantgarde ihrer Zeit, heute fragt mancher Kritiker, worin denn der Sinn der x-ten Wiederauflage dieser Musik beruhe. Vielleicht gibt ja gerade Criss Cross die Antwort. Der Sinn liege demnach darin, dass man sie mit Respekt vor dem überlieferten Kanon vital weiterhin spielt und sich nicht mit der perfekten technischen Reproduzierbarkeit der Meisterwerke von einst zufrieden gibt.
Der Trompeter Ryan Kisor belegt diese These trefflich mit seiner neuesten CD. Mit einem klassischen Quartett, das für eine Nummer zum Sextett erweitert wird, spielt er ein Programm aus sechs Originals und zwei Standards. Wer einwendet, diese Originals seien nicht originell, dem ist entgegenzuhalten, dass sie nicht als unoriginell plagiatär auffallen, sondern durchaus auf der Höhe der höchsten Handwerkskunst aller Beteiligten sind.
Ryan Kisor ist ein ganz hervorragender Trompeter, der seinen Freddie Hubbard ebenso studiert hat wie Clark Terry und Dizzy Gillespie, und der diese Perfektion mit Biss und Vitalität in zwingend swingende Musik umzusetzen weiß. Sein Pianist Peter Zak kennt auch die feinnervigen Aspekte des druckvollen Bop-Klaviers, Tommy Flanagan und Roland Hanna kommen in den Sinn; und dass Bass und Schlagzeug ebenfalls von Meistern der handwerklichen Solidität bedient werden, zeichnet die CD als Artikel höchster Professionalität aus. Wenn diese Musik live noch funktionieren soll, bedarf es dieser Professionalität - die Frage nach der Originalität ist dann sekundär.

Thomas Fitterling, 06.06.2002



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