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N° 1282
03. - 09.12.2022

nächste Aktualisierung
am 10.12.2022



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Open Sesame

Freddie Hubbard

Blue Note/Capitol 4 95341 2
(54 Min., 6/1960) 1 CD

Freddie Hubbard hat seit diesem seinem Debüt eine Fülle guter Platten aufgenommen, aber auch manche kommerziellen Abwege beschritten. Sein Rang innerhalb der Jazzgeschichte fußt hauptsächlich auf seinen Sideman-Aktivitäten bei epochalen Produktionen unter der Leitung von Ornette Coleman, John Coltrane, Eric Dolphy und Herbie Hancock - diese zogen ihn ob seiner mühelosen Technik in den höchsten Lagen und den schnellsten Tempi für Sessions heran, die kaum auf der Linie seiner eher konservativen Hardbop-Ästhetik lagen. So musste er sich bei aller Virtuosität den Vorwurf anhören, nicht ganz aus sich heraus gegangen zu sein, nichts wirklich Persönliches beigetragen zu haben.
Im Nachhinein schlägt dieser zwiespältige Eindruck auch auf seine eigene, im Grunde untadelige Musik zurück. Selbst wenn man berücksichtigt, dass Hubbard spätere Alben ("Ready For Freddie", "Hub-Tones") zunehmend mit Originals bestückte, hinterließen die Sidemen jeweils einen individuelleren Eindruck - seien es Wayne Shorter, Herbie Hancock oder, wie hier, die späteren Leader McCoy Tyner, Sam Jones und vor allem Tina Brooks.
Das könnte auch daran liegen, dass der Tenorist Brooks ("Tina" ist ein Spitzname, den er als Teenager erhielt) die beiden markantesten Themen dieses Albums komponiert hat, das Titelstück ("Sesam öffne dich") und "Gypsy Blue", das auf jeder Bar-Mitzwah Furore machen könnte. Der glücklose und früh verstorbene Brooks (1932-74), dessen klingender Nachlass Blue Note zu verdanken ist, wurde von eben dieser Firma stiefmütterlich behandelt: Von den vier Platten unter eigener Leitung erschien zu seinen Lebzeiten gerade eine ("True Blue"): Sein voll ausgereifter Stil erinnerte wohl zu stark an Hank Mobley, als dass das Label die Karrieren beider hätte fördern können; aber auch seine zurückhaltende Art und ein Hang zur Selbstzerstörung werden ihren Teil beigetragen haben.
Doch selbst Freddie Hubbard konnte trotz zahlloser Einspielungen seit den späten fünfziger Jahren die hohen Erwartungen nicht wirklich einlösen, die er am Beginn seiner Laufbahn geweckt hatte: Wie der seit zehn Jahren gesundheitlich angeschlagene Trompeter kürzlich in einem Interview eingestand, verschleuderte er einen Teil seines Talents wahllos, weil ihm lange alles zu leicht fiel.

Mátyás Kiss, 25.04.2002



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