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Ludwig van Beethoven

Streichquartette op. 18 Nr. 5 und op. 59 Nr. 2

Calvet-Quartett

Teldec/Warner Classics 8573 83024 2
(58 Min., 3/1938, 10/1938) 1 CD

An Beethovens zweitem Rasumowsky-Quartett in e-Moll demonstrierte das Pariser Calvet-Quartett 1938 einen Beethoven-Stil privater Unaufgeregtheit fern allem „Erhabenen“. Die vor Entwicklungsdrang gleichsam schwellenden 67 Takte der Exposition zählen zum Dichtesten, was Beethoven jemals schrieb, in knapper Folgerichtigkeit nur mit dem Kopfsatz der nahen „Fünften“ vergleichbar.
Wie das zu klingen habe, darüber herrscht seit langem interpretatorische Eintracht. Hören Sie ein beliebige neuere Version: Schon die beiden Forte-Akkorde des Beginns werden mit Unerbittlichkeit eingeschlagen, es folgt hochdramatische Verdichtung. Das Calvet-Quartett aber nimmt der Form die drängende Dynamik: soghafte Bewegung wird zum sonor verbreiterten, dann geradezu sehnsüchtig singenden Dolce-Tonfall beruhigt – lyrische Durchlichtung bis zur emotionalen Umgewichtung des Geschehens. Das „Molto adagio“ mag mit seiner fast emotionslosen Beruhigtheit dann geradezu provozieren. Dynamische Kontraste, absolut präzise, aber behutsam bis zum Mikroskopischen abschattiert, ereignen sich in sparsamer Dringlichkeit, ohne pathetisches Ereignis zu werden: Das starre Metrum tut ein letztes zum subtilen „Weiheentzug“.
Das mäßige Tempo im Prestofinale schafft jene Deutlichkeit, die das Thema in der ersten Geige endlich einmal ohne die fast notorische rhythmische Verschleifung der Losgaloppierer zeigt. Um so spektakulärer die piu presto coda, die plötzlich alle unterdrückte Energie so explosiv zu Tage schleudert. Neben den austauschbaren Werkglättungen unserer Zeit wirkt die technisch perfekt gebotene Ausdrucks-Mäßigung dieser einzigartigen Aufnahme verstörend fremd.

Matthias Kornemann, 24.05.2001



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