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The Complete Commodore Recordings

Billie Holiday

Commodore/Universal CMD 24012
(146 Min., 1939, 1944) 2 CDs

Als Billie Holiday 1939 ein Lied über Lynchmorde in den Südstaaten aufnehmen wollte, das sie bereits mit erheblichem dramatischem Effekt in New Yorker Nachtclubs vortrug, sagten die Columbia-Bosse nein. Sie waren aber bereit, „Lady Day“ für vier Titel an Milt Gablers unabhängiges Commodore-Label „auszuleihen“. Gabler nutzte seine Chance: Das beklemmend intensive „Strange Fruit“ wurde Billie Holidays berühmteste Aufnahme, „Fine And Mellow“ (eine Eigenschöpfung Billies) sogar ein kommerzieller Erfolg, und auch „I Gotta Right To Sing The Blues“ (wie wahr!) sowie „Yesterdays“ (eines ihrer Lieblingslieder) gehören zu den besten Aufnahmen ihrer Karriere.
Fünf Jahre später war Billies Vertrag ausgelaufen und Gabler wiederum zur Stelle: Er nahm mit ihr weitere zwölf Titel für Commodore auf, unter denen sich neben „I’ll Be Seeing You“ und „Billie’s Blues“ noch etliche Juwelen befinden. Die Sängerin hatte in der Zwischenzeit ihre Bühnenpersönlichkeit fertig ausgeprägt: Sie verkörperte mit bluesgetränktem Vortragsstil, in Ich-Form und mit zumeist langsamen Tempi die vorzeitig gealterte, an sich selbst leidende, verlassene oder anderweitig unglücklich liebende Frau – dies aber mittels handverlesener Standards, die zusammen ein schlüssiges Selbstporträt ergaben. Wegen der geringen Zahl von Instrumentalsoli und weil Billie musikalisch genau wusste, was sie wollte, sind die zahlreichen Alternativversionen in dieser Kollektion kaum zu unterscheiden und damit im Grunde überflüssig.
Dank der Wiederbelebung des Commodore-Labels gibt es auch die Aufnahmen von Billie Holidays Weggefährten Lester Young, dem Dixie-Trompeter Wild Bill Davison und den Originalgenies Jelly Roll Morton und Pee Wee Russell in luxuriös aufbereiteten und gut kommentierten CDs. Weitere sollen folgen.

Mátyás Kiss, 31.01.1997



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