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At Storyville

Billie Holiday

Black Lion/Da Music CD 877625-2
(36 Min., 1/1951, 10/1953) 1 CD

Hörer, die Lady Days frühe Aufnahmen für Columbia und Commodore (bis 1944) denen für Decca (Kommerzverdacht!) und Verve (stimmlicher Verfall!) vorziehen, übersehen die Kontinuität in ihrer fünfundzwanzigjährigen Karriere - und damit meine ich beileibe nicht nur die wiederholten persönlichen Tragödien und den gesundheitlichen Niedergang, wie mancher sarkastisch einwenden könnte. Es ist auch die Treue zu einem Grundrepertoire von Standards, die aus Billie Holidays Munde allesamt so klingen, als wären sie eigens für oder über sie geschrieben worden.
Vielleicht hat sie die traurigen Texte ihrer Lieder in der Folge in der Tat etwas zu wörtlich genommen. Doch verlieh später kaum eine Sängerin Broadwaymelodien oder Schlagern solche Glaubwürdigkeit, ohne gleichzeitig ihrer musikalischen Substanz Gewalt anzutun - eine Fertigkeit, die schon Holidays Vorbilder Louis Armstrong und Lester Young zur hohen Kunst entwickelten.
Auf diesen erstaunlich gut erhaltenen Radioübertragungen aus den frühen Fünfzigern wusste Billie Holiday aus ihrem bereits angegriffenen Stimmmaterial das Beste zu machen, wozu sicher auch die entspannte Umgebung beitrug. Um so weniger Töne ihr zur leichten Verfügung standen, desto mehr an Ausdruck rang sie ihnen ab - ein erstaunliches Phänomen, von dem im übrigen auch das Spätwerk Ben Websters profitiert.
Von der stets mit den Größen des "hotten" Swing assoziierten Sängerin würde kaum jemand vermuten, mit dem "coolen" Stan Getz zu harmonieren, der damals ein ebenfalls mitgeschnittenes, legendäres Engagement im Bostoner Storyville-Club absolvierte; da Getz aber letztlich ein direkter Erbe Lester Youngs war, gab es - zumindest in den hier enthaltenen sechs Minuten - keine größeren Schwierigkeiten. Die restliche halbe Stunde bekommen wir Lady Day pur, da nur von einem Klaviertrio begleitet.

Mátyás Kiss, 26.04.2001



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