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Live In Chicago

Kurt Elling

Blue Note/EMI 72435 22211 2 5
(70 Min., 7/1999) 1 CD

Bestens in den Puls der Yellowjackets-Nummer "Downtown" eingebettet, wünscht Kurt Elling den Besuchern des Jazzclubs "The Green Mill" in Chicago eine "excellent and groovy time" - und dann legt er los, als wolle er dem Ahnvater des männlichen Scats, Jon Hendricks, Konkurrenz machen. Schon diese wenigen Takte verdeutlichen: Der Elling (31) zählt längst zu den wenigen großen Sängern des Jazz. Nur von Perkussion, Bass und Piano begleitet, überrascht er mit einer ungewöhnlich reduzierten Fassung von "My Foolish Heart", dessen Text er um ein mystisches Gedicht erweitert.
Hier und in "Night Dream" erinnern das raspelige Timbre seines Baritons und die immense Beweglichkeit an die Gesangskunst von Jon Hendricks, Elling wirkt aber nie wie der Versuch einer Kopie. Seine Cover-Version von Stings "Oh My God" mündet in einem grandiosen Scat. "Smoke Gets In Your Eyes" und "(I Love You) For Sentimental Reasons" sind wunderbare Jazz-Balladen. Für "Don't Get Scared" holt er Jon Hendricks tatsächlich auf die Bühne: eine faszinierende Begegnung, die sich in "Going To Chicago" fortsetzt.
Das fiktive Konzert wurde aus drei Auftritten in "The Green Mill" zusammengestellt. Dort tritt Kurt Elling fast jeden Mittwoch auf. Vor allem dem zur Band- und Gastvorstellung genutzten "Rent Party" ist anzumerken, dass es sich für ihn um ein Heimspiel in jenem Traditionsclub handelt, in dem noch Pistolenkugeln aus Al Capones Zeiten in der Wandbespannung stecken.

Werner Stiefele, 20.04.2000



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