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Thorn

Antonio Faraò

Enja/Edel Contraire 0 63757 93992 4
(59 Min., 4/2000) 1 CD

Im Umkreis seines Debüts "Black Inside" und einer gleichzeitigen Tournee wurde Antonio Faraò vorschnell als "bester junger Pianist, der mir seit Jahren untergekommen ist" angepriesen - bezeichnenderweise von Kenny Kirkland, der selber zu den Überschätzten seines Fachs gehörte. Vielleicht ist an Faraòs Talent sogar etwas dran, doch solange er sich mit solchen Nur-Technikern umgibt wie auf seinen Platteneinspielungen, kommt dies nur in Ansätzen zum Vorschein.
Ich gestehe, nicht nur die Platte "Thorn", die ganze Richtung ist mir sozusagen ein "Dorn" im Ohr: im Zusammenhang mit der Akademisierung der Jazz-Ausbildung hat bei einigen (zum Glück nicht allen) Spielern eine sportliche Attitüde des "höher, schneller, weiter" Einzug gehalten, die sich vielleicht in npm (Noten pro Minute) wiedergeben ließe, aber mit jazzgemäßem Selbstausdruck nichts zu tun hat. (Auch Art Tatum oder Bud Powell waren große Techniker, was ihre Musik aber kein bisschen unpersönlicher machte.) Mir scheint, dass die Entwicklung eines unverwechselbaren, durch die indviduelle Einmaligkeit des Spielers garantierten Personalstiles in der (Selbst-) Ausbildung gegenüber einer enzyklopädischen Kenntnis anderer entschieden zu kurz kommt.
Bezogen auf diese CD heißt dies: gesichtsloses, eilfertiges Geklimper, untermalt vom hyperaktiven Geklapper Jack DeJohnettes, das bei einigen Titeln noch vom nervtötenden Gebläse Chris Potters verschlimmert wird. Anhänger des Pseudo-Neo-Post-Bop werden in Ekstase geraten.

Mátyás Kiss, 09.11.2000



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