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Sightseeing

Baptiste Trotignon

Naïve/Harmonia Mundi Y 226 182
(53 Min., 7/2001) 1 CD

Die besten französischen Jazzer spielen Klavier, und die interessantesten Pianisten kommen derzeit aus Frankreich. Mit einer derart plakativen Aussage ist man versucht, auf die Trio-CD des Jungtalents Baptiste Trotignon zu reagieren. Dies umso mehr, als es aktuell eine unverkennbar französische Piano-Schule zu geben scheint. Laureaten wären außerdem Frank Avitabile, Thierry Maillard und Jacky Terrasson.
Auch das Spiel Baptiste Trotignons zeichnet diese leichtfüßige Geläufigkeit aus, für die sicher auch ein Michel Petrucciani prägend war, aber es gibt da noch diesen spezifischen Touch von Bill Evans, den man ja auch bei den Pianisten der vorausgehenden Generation wie Stephan Oliva oder Michel Graillier findet. Doch wenn schon versucht werden soll, einen Lehrkörper der fiktiven französischen Piano-Schule zu benennen, so muss für Baptiste Trotignon noch der Schlagzeuger und Komponist Aldo Romano angeführt werden, der in Frankreich ein Pionier für quirlige brasilianisch tänzelnde Rhythmik war und von dessen Owl-Album mit dem Piano-Leader Steve Kuhn Baptiste Trotignon einmal tief beeindruckt gewesen sein muss.
Steve Kuhn schließlich wäre denn auch Trotignons persönlicher Tutor an unserer "École du piano". Doch Sightseeings sind nicht einfach addierte Ausblicke auf Trotignons Lehrjahre, sondern sie ergeben vielmehr ein fassettenreiches Tableau, fügen sich zu einer entschieden persönlichen Sicht auf das gewählte Musikidiom. Frischer jugendlicher Schwung, geschmacksicherer Instinkt und ein musikalisch stimmig integrierter Gruppen-Sound (aufnahmetechnisch leider nicht immer ganz), all das ergibt ein Riesenversprechen für die Zukunft.

Thomas Fitterling, 14.03.2002



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