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My Middle Name

Jonas Schoen

schoener hören
(79 Min., 12/2001) 1 CD

Der Holzbläser Jonas Schoen mit dem Schwerpunkt Alt- und Sopransaxofon war ein fast wunderkindlicher Musterschüler in der Jazzklasse der Hamburger Musikhochschule. Inzwischen ist er 32 Jahre alt und dem Ruf der verlockenden, kreativen Impulse unserer neuen Hauptstadt Berlin gefolgt. In deren schrill-schrägem Umfeld hat er sich mit konsequenter Mainstream-Solidität durchgesetzt und sogar sein eigenes Plattenlabel gegründet. Dabei trägt er sprachgewandt seinen Namen als Abwehrwaffe nach außen, nennt das Label "schoener hören" - und meint das auch so. Schöner hören heißt für ihn vor allem Schoener-Kompositionen hören. Anders als die meisten Mainstreamer bietet er nicht um den x-ten Kopierfaktor geklonte Standards, sondern lässt sein Quartett Schoener interpretieren; und siehe da, das Genre ist noch längst nicht ausgereizt. Wer sich so darin auskennt, kann durchaus vergnüglich im breiten Strome sein freundliches Gesicht auch gegen die Wellen halten und sich zur Profilschärfung auch mal elegant der Overdub-Technik bedienen. Völlig unangemessen und unzeitgemäß ist es allerdings, wenn dazu die Wortverlautbarungen zur Musik in ihrer weihevollen Beräucherung den Ruch des kühnen Tabubruchs mischen wollen; das hat etwas von geschmacksverirrtem Ranschmeiße-Charme, der sich auch in der Hipness heischenden und mit der Hauptstadt-Trashiness kokettierenden Song-Betitelung ausdrückt. Doch wie sagte so weise Miles Davis selig: "Let the music speak for itself". Schoen oder unschön, Jonas hat diese Art von Hype nicht nötig. Als frische Stimme aus dem Spannungsfeld zwischen Arthur Blythe und Kenny Garrett hat er jede Menge Substanzielles zu sagen - und in der produktiven Gegenrede einer echten Quartett-Interaktion würde das sogar noch an Klarheit und Stringenz gewinnen.

Thomas Fitterling, 08.02.2003



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