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Saturday Night In Bombay

Remember-Shakti

Verve/Universal Jazz 014 164-2
(62 Min., 12/2000) 1 CD

Um den - dann auch noch kleingedruckten - Namen John McLaughlins zu finden, muss man die CD schon umdrehen, und obwohl er der unbestrittene Star und Hauptsolist der Aufnahme ist, entspricht dieser Umstand recht genau der dienenden Haltung, in der er sich unter die Fittiche einer zwar wechselnden, doch stets rein indischen Musikercrew begibt. Mit Jazz hat all dies nur insoweit zu tun, als weder die indische Kunstmusik noch der Jazz ohne die zentrale Rolle der Improvisation vorstellbar wären.
An zwei Dezemberabenden - der Titel ist eine Anspielung auf McLaughlins zwanzig Jahre alten Gitarrenklassiker "Friday Night In San Francisco" - bot Bombay außer dem von der ursprünglichen "Shakti"-Besetzung der Siebziger übernommenen Tabla-Virtuosen Zakir Hussain unter anderem zwei der namhaftesten Künstler Indiens auf: den Mandolinenspieler U. Shrinivas sowie - als Gast auf einem Titel - den bedeutendsten Interpreten des indischen Hackbretts Santoor, Shivkumar Sharma.
Interessant für Kenner der indischen Musiktradition ist der Umstand, dass als direkte Fortführung von John Handys und Ali Akbar Khans Bestrebungen auf "Rainbow" aus dem Album "Karuna Supreme" nicht etwa die Indo-Jazz-Fusion, sondern vielmehr eine Verschmelzung von Stilelementen der nord- und der südindischen Tradition im Vodergrund steht: Die meisten der hier verwendeten Instrumente gehören entweder der hindustanischen oder der karnatischen Linie an, kommen jedoch für gewöhnlich nie gemeinsam zum Einsatz.
So ist John McLaughlins Anwesenheit wohl eine Art musikalischer Ökumene zu danken, von der aber keiner weiß, wohin sie letztlich führen soll. Der für das Finden des kleinsten gemeinsamen Nenners dreier Traditionsstränge zu entrichtende Preis besteht im weitgehenden Verlust der den jeweiligen Klangwelten spezifischen Aura.

Mátyás Kiss, 16.08.2001



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