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N° 1259
25.06. - 01.07.2022

nächste Aktualisierung
am 02.07.2022



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Django / Django In Rome

Django Reinhardt

BGO/Edel Contraire CD 366
(83 Min., 1937 - 1950) 2 CDs

Dass man Jazz-LPs der fünfziger bis siebziger Jahre originalgetreu als CD wiederveröffentlicht, hat unzweifelhaft seinen Sinn. Platten von Miles Davis oder John Coltrane sind Konzeptalben, deren Werkcharakter nicht zuletzt auf der Titelfolge beruht. Zu welchem Ende aber digitalisiert man damalige Zusammenstellungen von Aufnahmen der frühen Schellack-Ära? Wenn ein Künstler wie Django Reinhardt eine Platte aufnahm, so verstand er darunter schlicht eine Vorder- und eine Rückseite mit je einem Stück von drei Minuten Spieldauer.
Die heute angemessene Veröffentlichungsform ist die vollständige, chronologische Dokumentation oder eine Auswahl unter einem spezifischen Gesichtspunkt, deren Spielzeit die heutigen CD-Möglichkeiten nutzt. Mit einem Album wie dem 1959er “Django” erhält man eine bunte Auswahl mit Material der Jahre 1935/37. Doch nur Spezialisten dürften Interesse für die Frage aufbringen, welche sechzig Jahre alten Titel irgendein Herausgeber vor dreißig Jahren für veröffentlichungswürdig hielt. Dennoch: Die Auswahl ist exzellent: Hätte Django nur diese Kleinode eingespielt (darunter z.B. “Minor Swing”, “Saint Louis Blues”) - er zählte allein deshalb zu den Unsterblichen. Auch drei Aufnahmen von jenem gesegneten 29. September 1937 sind darunter, der die beeindruckendsten Reinhardt/Grappelli-Duos und das einmalige violinistische Spitzentreffen von Stéphane Grappelli, Eddie South und Michel Warlop zeitigte.
Findet man auf der ersten CD nur das bekannte, so ist die zweite, mit römischen Aufnahmen vom Januar/Februar 1949 und April/Mai 1950, eine wahre Trouvaille. Kenner werden bei diesen Daten abwinken, aber es handelt sich eben nicht um die bekannteren, zeitgleichen Aufnahmen für RCA.
Wir erleben Django hier mit eher atypischem Material vom Peanut Vendor über Boogie Woogie bis zu einer Grieg-Komposition, wenn auch mit (bis auf Grappelli) weniger ebenbürtigen Partnern. Mit Bebop-Einflüssen und (der damals von den Fans beanstandeten) elektrischen Gitarre bilden die italienischen Kuriosa einen reizvollen Kontrast zu den älteren Meilensteinen.

Marcus A. Woelfle, 30.04.1998



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Eva Jagun stammt aus einer Kölner Musikerfamilie und lernte zunächst Geige, Flöte, Gitarre und Klavier. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie in diversen Chören und Bands, später studierte sie in Hamburg Musik, seit einigen Jahren lebt sie in Berlin.
Dort arbeitet sie als Sängerin wie auch als Geigerin im Studio und auf der Bühne mit einer Vielzahl von Künstlern zusammen, unter anderen mit Nina Hagen oder Dieter Hallervorden. Wichtige Impulse erhielt sie vom kanadischen Jazzbassisten […] mehr


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