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Raindrops, Raindrops

Karin Krog

Crippled Dick Hot Wax/EFA 27615-2
(65 Min., 1968 - 1978) 1 CD

In den wilden siebziger Jahren wurde die norwegische Sängerin Karin Krog als Europas Avantgarde-Antwort auf die amerikanischen Broadway-Diven gefeiert. Heute hat die Musik jenes Jahrzehnts, gerade wenn sie sich zeitgeistig jazz-rockiger Formen und Klänge bediente, etwas abgedreht trashig Überlebtes. Eine flache, eisig kühle Sangesstimme, die dann noch durch den Low-Tech-Hall jener Zeit fast blechdosern wirkt, macht die Musik der Siebziger für heutige entsprechend gestimmte Ohren besonders cool und attraktiv. Deutschlands Hauptstadt, die Bausstelle Berlin, fährt auf diese Mischung ab.
Das Label mit dem geschmacksgemischten Namen am Ort veröffentlicht mit "Raindrops, Raindrops" einen Sampler von Karin-Krog-Einspielungen, der um das Material des Albums "We Could Fly" von 1974 weitere Aufnahmen meist ähnlicher Ästhetik gruppiert. Bei "We Could Fly" musizierte Karin Krog mit Steve Kuhn, der hier den Steinway durch ein Fender-Rhodes-dominiertes Keyboard-Arsenal ersetzte, mit Steve Swallow, der noch nicht lange den E-Bass für sich entdeckt hatte und dem Schlagzeuger Jon Christensen. Zeitgemäß werden zusätzlich etliche Schüttelinstrumente bewegt.
Steve Kuhn, am Flügel ein grandioser Stilist, der die Power McCoy Tyners mit der Raffinesse eines Bill Evans zu verbinden vermag, prägt hier als musikalischer Leiter die Musik ganz im Sinne von Miles Davis' damaligen Cross-Over-Ergebnissen. Auf drei Tracks ist die Krog auch in rein akustischer Umgebung zu hören. Die Duo-Performance mit dem Bassisten Arild Andersen über "Round Midnight", in Deuschland durch einen Enja-Sampler wohl bekannt, ist dabei dank der großartigen Linienführung Andersens am beeindruckendsten. Im Kontext des Samplers macht dieser warm klingende Kontrabass aber auch beklemmend deutlich, welche Dimension der Stimme Karin Grogs eigentlich abgeht.

Thomas Fitterling, 18.04.2002



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