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Singt Cole Porter

Hildegard Knef

Telefunken/Warner 0927-45404-2
(72 Min., 1955 - 1969) 1 CD

Der ursprüngliche Titel des 1968 veröffentlichten Albums klang unverfänglicher: "Träume heißen Du". Denn von "singen" kann bei Hildegard Knef nur in Ansätzen die Rede sein. Und sie befasst sich insofern nur teilweise mit Cole Porter, als die Originale von einem Mischa Mleinek mehr oder weniger erfolgreich eingedeutscht wurden. Knefs verrucht-laszive Deklamation der unsterblichen Melodien kann zu Anfang für sich einnehmen, wirkt aber auf die Dauer aufgesetzt und in ihrer Stereotypie aufdringlich, ja albern, ihre Phrasierung tötet jeden Swing, und das Orchester Hans Hammerschmid versieht seinen Dienst nach Vorschrift.
Die beigegebenen, englisch gesungenen (und nur zum Teil von Porter stammenden) Standards können nur bedingt über die vorangegangenen Stilblüten ("Nichts haut mich um, aber du" für "I Get A Kick Out Of You") hinwegtrösten; ich weiß nicht, ob die deutschen Texte oder der schwere deutsche Akzent (Lispeln inbegriffen) der Knef die schlimmere Tortur für den Hörer darstellt, wenn er nicht gerade Gefallen an unfreiwilliger Komik findet. Dafür habe ich beim einzigen damals aktuellen Song auf der CD, Burt Bacharachs "I Need Your Love", bedauert, dass die Knef nicht ein Album mit dessen Popsongs aufnahm: Sie gehen ins Ohr und stellen doch weit geringere Ansprüche an die Interpretation als Jazzstandards.
Überhaupt scheinen die Stärken der Knef eher im Darstellerischen als im Sängerischen zu liegen, wie die Auszüge aus der originalen Broadway-Inszenierung von Porters "Silk Stockings" (1955) nahelegen: Die Knef macht in der Musical-Version von Lubitschs Komödie "Ninotschka" an der Seite von Don Ameche eine so vorteilhafte Figur, dass ich fast geneigt bin, ihr den späteren Ausrutscher in den Pseudo-Jazz zu verzeihen.

Mátyás Kiss, 12.09.2002



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