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The Earl

Earl Hines

Naxos Jazz Legends 8.120581
(63 Min., 6/1928 - 11/1941) 1 CD

Die erst vor wenigen Monaten begonnene Serie der "Naxos Jazz Legends" bildet vom niedrigen Ladenpreis und der Bekanntheit der darin vertretenen Namen her zweifellos eine Antwort auf die doppelt so teure, noch sauberer klingende französische Reihe "Dreyfus Jazz Reference". Beide mischen in der Regel Material aus relativ weit gesteckten Zeiträumen und in unterschiedlichen Besetzungen. Beide Editionen erfreuen trotz minuziöser diskografischer Nachweise aber eher den Einsteiger als den Sammler, welcher sich über mangelnde Chronologie und unvollständige Aufnahmesitzungen ärgert: Wer die komplettieren will, muss sich die Sachen dann nochmal kaufen - auf verschiedene CDs verteilt.
Damit soll keineswegs der musikalische Wert der Reihe in Frage gestellt werden - die mir bislang untergekommenen Folgen enthielten keine einzige wirklich schlechte Nummer. Außerdem muss man froh sein, dass liebevoll ans Werk gehende Klangrestaurateure versuchen, diese unwiederbringlichen Dokumente aus der Eisenzeit der Aufnahmetechnik auch einer von digitalem Dolby-Surround verwöhnten Klientel nahezubringen.
Damit wären wir endlich bei Earl Hines, dem frühen Duopartner von Louis Armstrong, dem er die "trompetenartige" Klavierspielweise ablauschte und damit für alle Zeiten die Art prägte, wie auf den 88 Tasten mit der rechten Hand swingend improvisiert wird - nämlich als "atmende" Abfolge von Einzelnoten.
Hines erlebte zwar in den dreißiger und vierziger Jahren wirtschaftlich mehr oder weniger erfolgreiche Episoden als Leiter einer mitreißenden Big Band, doch liegen seine wesentlichen Verdienste anderswo: Der hier ausgiebig zu genießende, mit unbestechlicher, klassisch geschulter Technik gesegnete Solo- und Ensemblepianist "Fatha" Hines brachte es neben ganz frühen Erfolgen als Songwriter ("Rosetta", "Blues In Thirds") fertig, sechs Jahrzehnte hindurch wirklich modern - also musikalisch anspruchs- und gehaltvoll, aber immer flüssig vorwärtsdrängend und unterhaltsam - zu bleiben, ohne ein Iota an seinem unverkennbaren Stil zu ändern.

Mátyás Kiss, 13.12.2001



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