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Jazz Is Dead Since '69

Alex Gunia, Peace

Jazzsick Records/EFA 09861-2
(53 Min.) 1 CD

Der Titel der CD geht auf einen Ausspruch von Miles Davis zurück, der zum zwischenzeitlichen Tod des Jazz (in seiner alten Form) auf seine Weise beigetragen hat. Dass Alex Gunia seine neue Electric Band Peace genannt hat, ist mehr als frommes Wunschdenken denn als musikalische Charakterisierung der vierköpfigen Combo (E-Gitarre, Keyboards, Bass, Schlagzeug) zu verstehen.
Wer herkömmliche Retro-Fusion-Klänge erwartet, wird angenehm enttäuscht: Zwar muss niemand auf verzerrte Gitarren, Fender-Rhodes- und Synthie-Sounds, Bass-Grooves und Backbeats verzichten. Aber alles hat Gunia im nachhinein auf mannigfaltige Weise elektronisch verfremdet, wie es Miles und Teo Macero schon vor dreißig Jahren ansatzweise taten - allerdings, ohne über die heutigen computertechnischen Möglichkeiten zu verfügen.
Das wäre aber kein Grund gewesen, die beiden Gastauftritte von Billy Cobham und Randy Brecker, zweier Fusionisten der ersten Stunde, ebenfalls so stark zu bearbeiten, dass ein Sample dieser Musiker oder ihr Ersatz durch andere denselben Zweck erfüllt hätte. Und wie wollen die vier Peace-Kombattanten solche Klanggewitter eigentlich live reproduzieren?
Davon abgesehen ist diese Kölner CD, die in dieser Form zehn Jahre früher nicht denkbar gewesen wäre, eine geräuschvolle, aber erfrischende Alternative zum stets korrekten, aber längst in Formelhaftigkeit erstarrten akustischen Jazz. "Wenn nur irgend etwas Unerwartetes passieren würde (...) Oder einer verzichtete einfach auf ein Solo, weil ihm an dem Abend absolut nichts einfällt", klagte Konrad Heidkamp schon vor zwölf Jahren im "Zeit-Magazin". Alex Gunia scheint seine Klage erhört zu haben.

Mátyás Kiss, 07.02.2002



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