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Spirit Song

Kenny Barron

Verve/Universal Jazz 543 180-2
(65 Min., 1999) 1 CD

Kenny Barron gilt als der pianistische Fackelträger der Bebop-Flamme. Im Alter von fünfundzwanzig saß er am Klavier des noch klassisch besetzten Quintetts von Dizzy Gillespie. Später gründete er zusammen mit Charlie Rouse das Quartett "Sphere". Der Quell seiner Inspiration ist das Spannungsfeld zwischen der spezifisch Bebop-orientierten Harmonik und Rhythmik und der geläufig eleganten Pianistik eines Tommy Flanagan.
Diesen echten Bebopper hat jetzt im Alter von sechsundfünfzig Jahren der Wunsch bedrängt, einmal außerhalb des strengen Bebop-Rahmens auszuprobieren, was seine Altersgenossen schon vor Jahrzehnten wagten; und so improvisiert er auf "Spirit Song" vorsichtig mit Eddie Henderson (Trompete), David Sanchez (Saxofon), Rufus Reid (Bass) und Bill Hart (Schlagzeug) über tonale Zentren und traut sich an muntere Basslinien-abgeleitete Latin-Grooves und Fusion-Rhythmik. Das klingt - was Wunder - etwas nach McCoy Tyner.
Mit der Geigerin Regina Carter hat er sich für die ausgewählten Balladen eine ganz eigenwillige Stimme geholt, doch durchwegs bleibt Kenny Barron der elegante abgeklärte Gentleman des Klaviers, und "Spirit Song" ist somit ein distinguiertes aktuelles Mainstream-Album im besten Wortsinn.

Thomas Fitterling, 13.04.2000



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