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Ludwig van Beethoven

Sinfonien Nr. 5 und 7

Philharmonia Orchestra, Benjamin Zander

Telarc/In-Akustik CD-80471
(69 Min., 10/1998) 1 CD, mit Bonus-CD

Wie so viele Dirigenten, die sich heute noch trauen, einen neuen Beethoven-Zyklus auf den Markt zu bringen, bietet auch Benjamin Zander etwas „völlig Neues“ an, in diesem Fall die genaue Befolgung von Beethovens Metronom-Angaben. Diese seien, so argumentiert Zander, bislang so gut wie nie berücksichtigt worden, weswegen wir Beethovens Musik meist auch nur in verfälschter Form hören konnten. Nur gut, dass es Herrn Zander gibt. Auf einer Bonus-CD erläutert er in englischer Sprache sein interpretatorisches Konzept.
So brandneu ist dies alles natürlich nicht. Toscanini, Leibowitz, Gielen und vor allem die Interpreten der Originalklang-Bewegung haben auf der Basis von Beethovens Metronom-Ziffern gearbeitet, und an deren Ergebnisse gemahnen Zanders Interpretationen denn auch. Nicht, dass daran etwas Verwerfliches wäre: Trotz der vorgeschriebenen meist sehr straffen Tempi erzielt Zander ein wunderbar transparentes Klangbild, in dem das thematische Geflecht mustergültig aufgefächert erscheint.
Die Hau-den-Lukas-Attitüde, die einige Ensembles mit historischen Instrumenten an den Tag legen, entfällt vollständig; Zanders Beethoven atmet gleichmäßig und macht einen entspannten Eindruck. Gelegentlich etwas zu entspannt, denn in der Fünften vermisse ich den revolutionären Elan ebenso wie im Finale der Siebenten die ausgelassene Tanzwut. Dennoch: Wem Toscaninis Aufnahmen zu alt sind und wer den Klang der Originalinstrumente nicht mag, wird an dieser Aufnahme vielleicht Freude finden.

Thomas Schulz, 28.02.2000



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