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Ludwig van Beethoven

Ouvertüren

Deutsche Kammerphilharmonie Bremen, Daniel Harding

Virgin Classics/EMI 5 45364 2
(67 Min., 3/1999) 1 CD

Rasant, forsch, jugendlich - so erklingt Beethoven unter den Händen des neuen Sterns am Dirigentenhimmel: Daniel Harding aus England, noch keine fünfundzwanzig Jahre alt. Nicht dass Hardings sportive, aufgeraute Lesart etwas Neues präsentierte - seit Norrington und Gardiner, spätestens aber seit Zinman scheint sich dieser Interpretationsstil allgemein durchgesetzt zu haben - nicht nur unter Originalklang-Fetischisten, sondern auch bei „ganz normalen“ Orchestern.
Insofern erscheint es nur logisch, dass bei dieser CD gar nicht erst angegeben ist, ob das Orchester auf alten, neuen, authentischen, virtuellen oder was auch immer für Instrumenten spielt. Es ist der Gestus, der zählt, und Harding gelingt es, zu fesseln und, zumindest in den meisten Stücken, auch zu überzeugen, weniger weil, sondern obwohl er voll und ganz im derzeitigen Trend schwimmt. Er wählt dieselbe Ouvertüren-Kombination wie Harnoncourt – viermal Leonore/Fidelio, Egmont, Coriolan, Prometheus und die Athener Ruinen. Hardings Beethoven besticht - manchmal mehr als der Harnoncourts! (siehe Rezension)- durch stilistische Gradlinigkeit und Konsequenz, und das dramatische Element kommt auch nicht zu kurz.
Natürlich ist dies wohl kaum das letzte Wort in Sachen Beethoven - mehr Differenzierung, Variation, Farbreichtum wäre denkbar, ja warum nicht auch mehr Tiefe? Doch all das kann ja noch kommen, wenn der Trend sich wieder ändert und wenn Harding etwas älter geworden ist. Bis dahin jedoch wird mir seine frische Lesart dieser Musik viel Freude bereiten.

Thomas Schulz, 30.06.1999



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