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New York Time

Christian McBride, Javon Jackson, Jimmy Cobb, Cedar Walton

Chesky/in-akustik SACD 314
(59 Min., 1/2006) 1 CD

Sie swingen. Das ist kein Wunder, denn zwei der vier Bandmitglieder lernten ihr Handwerk in Art Blakeys Jazz Messengers: der Saxofonist Javon Jackson von 1987 bis 1990 und der Pianist Cedar Walton von 1961 bis 1964. Mit Jimmy Cobb ergänzt ein versierter Schlagzeuger die Formation, und Christian McBride ist ohnehin einer der besten und bestbeschäftigten Jazzbassisten im Mainstream. Zur Philosophie des Labels Chesky gehört, die Musik live und ohne die Möglichkeit zur Nachbearbeitung mit nur einem Mikrofon direkt aufzuzeichnen. Die St. Peter’s Episcopal Church in New York City bot in diesem Fall die geeignete Atmosphäre. Trotzdem muss sich der Hörer umstellen, denn die künstliche Nähe und ausgefeilte Dynamikbalance moderner, in Mehrspurtechnik aufgezeichneter und nachträglich abgemischter Aufnahmen ist durch einen realen Raumklang mit all seinen Vor- und Nachteilen ersetzt. Innerhalb weniger Stunden entstanden am 31. Januar 2006 zehn Titel, darunter sieben aus den Reihen der Band. Sie alle prägt ein fester Puls in bester Blakey-Tradition, wobei sich meist Walton und Jackson als Solisten ablösen – der eine mit eleganten, routinierten Linienführungen und der andere mit facettenreichem, eher rauhem als glattem Ton. Sein Instrument bellt und knurrt, schnurrt zwischendurch und manchmal – etwa in der Einleitung des von John Coltrane komponierten "Naima" – säuselt es auch. Dabei greift das Spiel der vier Instrumente bestens ineinander. Die vier ahnen, wo der jeweilige Solist Breaks setzt, wo er Lücken für einen kurzen Kommentar lässt, wo es sich lohnt, einen Akzent zu setzen. Das verleiht der Musik eine federnde, fesselnde und unaufgeregte Atmosphäre.

Werner Stiefele, 19.01.2007



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