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Young Bones

Malia

Epic/Sony BMG 88697 07526-2
(46 Min.) 1 CD

Die Stimme hat was. Malia, eine im Londoner Exil aufgewachsene Sängerin aus dem afrikanischen Staat Malawi, vereint die Beweglichkeit und Präzision einer Jazzsängerin mit der rauhen Note des Rock und der schlichten Geradlinigkeit des Folk. Brüchig und voll Sehnsucht besingt sie in der Ballade "Mr. Candy" eine Liebesgeschichte in der Art von Billie Holidays doppelbödigen Balladen. Mit "Two Fugatives" kommt – von Streichern dunklen Bassklängen begleitet – etwas Kneipenselbstironie hinzu, bevor sie sich mit "Wonderland" und "City Promises" den Elektroklängen des Nu Jazz nähert – und dabei untergründig swingt. Dabei nähert sie sich von Titel zu Titel immer stärker den stilvollen Rock- und Popsongs. Dem Produzenten André Manoukian verdankt sie, dass sie trotz üppiger (wie Samples aus dem Synthesizer wirkender) Streicherklänge auch in Schmuseballaden wie "Rainbow" und "The Stem, The Thorns And The Rose" nicht in den Kitsch abrutscht und in "The Little Black Bird" trotz einer markanten akustischen Gitarre nicht in die Folkrockfalle tappt. Ihr "Young Bones" könnte zur Überlebenshymne werden, berichtet sie doch zu einer reduzierten, magischen Begleitung davon, dass die jungen Knochen durch Rückschläge nicht aufgehalten werden können. Im Grunde steht Malia mit ihrem zwischen alle Stile platzierten Album in bester britischer Tradition. Immerhin nahmen es die englischen Jazzmusiker schon in den Goldenen 60ern nicht so genau mit der in anderen Ländern streng durchgehaltenen Trennung der Genres – und wurden damit zu Vätern des Rockjazz. Diese Offenheit setzt sich bei Malia fort. Wer ein klassisches Jazzalbum möchte, sollte die Finger von "Young Bones" lassen. Wer eine schöne Stimme hören will, sollte zugreifen.

Werner Stiefele, 05.08.2007



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