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Requiem For Choir and Big Band

Steve Gray

Skip/Sunny Moon SKP 9045
(60 Min., 10/2003) 1 CD

Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um, und wer ein Requiem schreibt, gerät leicht in die Todeszone. Der britische Pianist, Arrangeur und Komponist Steve Gray weiß um das Risiko, das darin liegt sich auf ein Genre einzulassen, das durch Mozart, Verdi, Berlioz, Fauré und andere alte Meister auf höchstem Form-Niveau definiert ist, und wie manchem dieser Meister wollte auch ihm beim Schreiben seines Requiems der Körper allmählich den Dienst versagen. Gray überlebte dank moderner Herzchirurgie und konnte ein Werk vollenden, das bis dato einzigartig ist. Er vermeidet die oft befremdlichen Third-Stream-Klischees, indem er das Instrumentalensemble auf die klassische Big-Band beschränkt. Die behandelt er als "virtuoses Kammerorchester, das zu Swing und Improvisation befähigt ist". In der NDR-Big-Band hatte er den idealen Klangkörper für diesen Ansatz. Von zentraler Bedeutung aber für Grays Umsetzung des Jahrhunderte alten Ordo Missae ist der Chor. Inspiriert von Gregorianik und früher Mehrstimmigkeit werden ihm großflächige Stimmungsbilder abverlangt, die immer wieder an Arvo Pärt erinnern. Der NDR-Chor meistert in Tutti und Soli die Aufgaben mit bewegender Leidenschaft und Präzision. Vokal- und Instrumentalparts ergänzen sich organisch; Swing und Instrumentalsoli wirken nie aufgesetzt, sondern entwickeln sich natürlich aus den thematisch gegebenen Abläufen. Und so stellt sich die oft peinliche Frage erst gar nicht, ob es denn Jazz oder noch Jazz oder E-Musik sei. Dies ist einfach ein zeitgenössisches Requiem - manchmal vielleicht ein wenig bemüht, aber überwiegend ebenso überzeugend wie bewegend.

Thomas Fitterling, 30.10.2004



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