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Samba Do Mar

Dusko Goykovich

enja/soul food ENJ-9473 2
(61 Min., 8/2003) 1 CD

Ausgerechnet Dusko Goykovich! Man kennt sie ja, diese Musik, als Garant gepflegter Langeweile auf höchstem Niveau, diese gepflegten Modern-Mainstream-Standards, denen unzählige Epigonen auf ebenso zahllosen Jam Sessions eigentlich längst jedes Spannungsmoment ausgetrieben haben müssten, zumal wenn es sich wie hier überwiegend um ein klassisches Bossa-Programm handelt. Ausgerechnet Dusko Goykovich, der grundsolide Trompeter und no-nonsense Musiker, haucht dieser eben noch so langweilig gewähnten Musik einen herrlich frischen Atem ein, und dies ganz ohne das so mächtig angesagt scheinende Bürsten gegen den Strich. Er ist gewissermaßen ein abgeklärter Miles Davis, dem selber Altersweisheit Zeit seines Lebens fremd war. Gelassen vertraut er auf die Finesse seines Materials und auf die Raffinesse seiner drei Mitmusiker. Da ist vor allem der Ungar Ferenc Snetberger an der akustischen Gitarre, dem diese seelenverwandte Musik im Blute liegt; aber auch der Beitrag des wahrlich mit allen rhythmischen Wassern dieser Welt gewaschenen Drummers Jarrod Goodwin ist nicht zu vernachlässigen. Mit diesem Quartett kann sich der Trompeten- und Flügelhorn-Altmeister relaxt zurücklehnen, ohne dass ihm dies zu einem Ohrensessel würde oder gar er selber zu einem Miles in Hauspantoffeln. Mit unprätentiöser perfekter Handwerkskunst schafft er es, den Zuhörer in einen hellwachen Zustand höchst vergnüglichen Zuhörens zu versetzen. Das Geheimnis ist, dass in dieser Musik immer noch die Erinnerung an die dornenreiche Suche der Identitätsfindung lebendig ist, die Spannung schafft.

Thomas Fitterling, 29.11.2003



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