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Richard Strauss

Ein Heldenleben, Metamorphosen

Sächsische Staatskapelle Dresden, Fabio Luisi

Sony Classical/Sony BMG 8869 708471-2
(2007)

Für einen Chefdirigenten der Dresdner Staatskapelle ist es schon fast obligatorisch, seine Visitenkarte mit Werken von Richard Strauss abzugeben. Denn noch immer können die Dresdner, denen der Meister etliche seiner Opern auf den Klangkörper schrieb, mit ihrem spätromantisch blühenden Edelsound als das Straussorchester schlechthin gelten. Fabio Luisi, vom kommenden Herbst an Staatskapellenchef, tut in seiner Einspielung des "Heldenlebens" und der späten "Metamorphosen" denn auch alles, um den Dresdner Straussklang zu zelebrieren: Mit sattem Vibrato und einer guten Portion Hallpolitur dürfen sich die Streicher räkeln, so dass man in den "Metamorphosen" glatt an eine doppelte Besetzungsstärke glauben möchte – statt der introvertierten Noblesse, des entsagungsvollen Trauertons, den Karajan in seiner klassischen Aufnahme mit den Berliner Philharmonikern traf, bekommt man bei Luisi freilich eher aufgedonnertes Selbstmitleid serviert – ein Strauss durch die Brille Puccinis betrachtet. Auch das "Heldenleben" bleibt Luisi letztlich idiomatisch fremd – der Klang ist prachtvoll, wird jedoch lediglich ausgestellt. Schon der etwas zu breit genommene Beginn vermittelt wenig von der himmelsstürmenden Dynamik des jungen Genies (man höre da Fritz Reiner!). Die zeternden Bläserstimmen in der Kritikerepisode bleiben allzu zahm, um den Helden wirklich anfechten zu können, und die im pirouettenseligen Violinsolo porträtierte Gemahlin Pauline ist hier eher die brave Hausfrau als ein kapriziös-selbstbewusstes Generalstöchterchen. Eine Aufnahme, die höchstens als Mitbringsel für Dresdentouristen eine Chance haben dürfte.

Jörg Königsdorf, 26.05.2007



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